Bayerische Kirchenbank will fusionieren
Bayerische Kirchenbank will fusionieren
Evangelische Acredobank zieht Konsequenzen aus Ertragskrise
Die evangelische Acredobank in Nürnberg will mit der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel (EKK) zusammengehen. Von der Fusion erhofft sich die bayrische Kirchenbank einen Ausweg aus ihrer seit Jahren anhaltenden Ertragskrise. Sprecher beider Banken bestätigten am Mittwoch gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) ernsthafte Sondierungsgespräche.
Einen Fusionsbeschluss habe der Aufsichtsrat der Kreditgenossenschaft noch nicht gefasst, sagte der EKK-Vorstandsvorsitzende Bernd Jacob. Seine Bank werde zunächst die Risikosituation analysieren und eine mögliche Fusion "völlig emotionslos unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten prüfen". Grundsätzlich sei ein Zusammengehen jedoch reizvoll, weil die Kreditgenossenschaft zwar schon an acht Filialstandorten in Deutschland und Österreich überregional tätig sei, nicht jedoch in Bayern.
Nach der Verschmelzung könne die Acredobank unter ihrem alten Namen als bayerische Niederlassung der Evangelischen Kreditgenossenschaft weiterarbeiten, erläuterte Acredobank-Sprecherin Barbara Dürr die Gedankenspiele. Beide Geldinstitute hätten die gleiche Geschäftsphilosophie. Entlassungen seien nicht zu befürchten, eher werde eine Ausweitung der Geschäfte erwartet. "Gemeinsam sind wir noch stärker", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Oberkirchenrat Claus Meier, der auch der Finanzchef der bayerischen Landeskirche ist.
Mit einer Bilanzsumme von knapp 3,6 Milliarden Euro und 230 Angestellten ist die Kasseler Kreditgenossenschaft der gewichtigere der beiden Fusionskandidaten. Die Acredobank bringt nur 773 Millionen Euro Bilanzvolumen und 100 Beschäftigte auf die Waage. Bei der Nürnberger Kirchenbank stehen seit langem die Warnsignale auf Rot. Die Ertragslage sei nicht mehr ausreichend und die Vermögenslage äußerst angespannt, stellte der Genossenschaftsverband Bayern schon bei der Prüfung des Jahresabschlusses 2003 fest.
Bereits 2002 hatte der Aufsichtsrat die beiden damaligen Vorstände geschasst, nachdem misslungene Anlagegeschäfte und die Vergabe von Risikokrediten an die gewerbliche Wirtschaft zu einem Debakel geführt hatten. Ein Viertel des Personals wurde abgebaut. Doch die angekündigte Rückbesinnung auf den angestammten Kundenkreis aus Kirche und Diakonie brachte nicht den erhofften Erfolg. Ausgelöst durch staatliche Zuschusskürzungen waren viele Wohlfahrtseinrichtungen inzwischen selbst in die Finanzkrise geraten. Vor drei Monaten musste auch der neue Vorstandssprecher gehen.
Bei einer Fusion würde die Acredobank nach mehr als 80 Jahren ihre Selbstständigkeit verlieren. Sie wurde 1922 als "Wirtschaftsverband der evangelischen Geistlichen Bayerns" gegründet. 1969 folgte die Umbenennung in "Spar- und Kreditbank in der evangelischen Kirche in Bayern". 2000 änderte sich der Name in Acredobank um die Entwicklung zu einer Universalbank zum Ausdruck zu bringen. Für viel Geld wurde das Erscheinungsbild komplett modernisiert, ein neues Kundenzentrum und neue Verwaltungsräume bezogen. Die rund 18.000 Kunden sind zumeist kirchliche Mitarbeiter und Institutionen aus Kirche, Caritas und Diakonie.


