"Du sollst nicht der Quote dienen"
"Du sollst nicht der Quote dienen"
Geistliche Wegweisung: Zehn Gebote für den Wahlkampf (Korrespondentenbericht)
Rechtzeitig zum Wahlkampfbeginn hat der Bamberger Pfarrer Hartmut Preß, kirchlicher Spezialist in Sachen Humor, seine zehn Gebote für Wahlkämpfer herausgebracht. Die geistliche Wegweisung aus Oberfranken für Schröder, Merkel und Co beginnt mit einer Mahnung im ersten Gebot: "Du sollst nicht der Quote dienen, als sei sie dein Gott." Auch das zweite Gebot ist vielen Politikern geradezu auf den Leib geschrieben: "Du sollst große Worte wie Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit nicht unnütz im Munde führen." Ziemlich schwer dürfte es den meisten Wahlkämpfern fallen, das dritte Gebot des Bamberger Pfarrers zu beachten: "Du sollst Zeiten der Ruhe einplanen. Du sollst in dich gehen und auf die Stimme deines Gewissens lauschen."
Das fünfte Wahlkampfgebot zielt auf die politische Kultur ab: "Du sollst deine Gegner nicht abschießen. Schröder, Merkel, Stoiber, Fischer, Westerwelle, Lafontaine und Gysi sind keine Schießbudenfiguren - du sollst sie nicht lächerlich machen." Auch in den nächsten Geboten wird den Politikern manches abverlangt: Sie sollen Preß zufolge "nicht machtgeil" sein, nicht "die Ideen anderer stehlen", nicht mit falschen Versprechen um die Gunst des Wahlvolkes buhlen und nicht böse Gerüchte in Umlauf setzen. Darüber hinaus sollten sie Politiker meiden, die in der linken oder rechten Ecke dem Extremismus frönen.
Preß hatte bereits bei der vergangenen Bundestagswahl das Gewissen der Wahlkämpfer mit Geboten geschärft. Einige Politiker, unter ihnen die CSU-Wahlkämpfer Günter Beckstein und Michael Glos, gelobten damals dem Bamberger Pfarrer, die Spielregeln einzuhalten - auch wenn's manchmal schwer falle. Gegenüber epd sagte Preß, am meisten störe ihn im Wahlkampf die Einseitigkeit der Darstellungen - nach der Devise: "Alles, was die eigenen Partei macht, ist die Wahrheit, und alles andere ist nichts...."


