Buddha auf Elfenbein, Goldplatten oder Birkenrinde
Buddha auf Elfenbein, Goldplatten oder Birkenrinde
Die Bayerische Staatsbibliothek zeigt kostbare Schätze ihrer Orientsammlung (Korrespondentenbericht) (mit Bild)
Von Franziska Buch (epd)
Eine Million Papierröllchen ließ die japanische Kaiserin Shotoku im 8. Jahrhundert mit buddhistischen Beschwörungsformeln bedrucken - aus Dankbarkeit für einen gewonnenen Bürgerkrieg. Nach dem Druck wurden die Rollen in den zehn größten Buddha-Tempeln in Japan verteilt.
Diese so genannten "Darani" gehören nicht nur zu den ältesten Drucken der Welt - der Buchdruck wurde in Deutschland erst 1450 eingeführt -, es sind auch nur noch wenige erhalten. Eine davon besitzt die Bayerische Staatsbibliothek. Im Rahmen der Ausstellung "Die Worte des Buddha in den Sprachen der Welt" zeigt sie vom 27. Januar bis 20. März heilige Schriften des Buddhismus aus verschiedenen ostasiatischen Ländern.
Mit der Ausstellung soll nach Worten des Orient-Spezialisten der Staatsbibliothek, Günter Grönbold, die Vielfalt dieser Schriften dargestellt werden: "Jeder kennt Bibel und Koran, die Sammlung der heiligen Schriften des Buddhismus hingegen ist den Meisten wahrscheinlich unbekannt." So findet der Besucher auch keine allgemeine Einführung in die Lehren des Buddha, sondern bekommt über die Vielzahl der Manuskripte einen Gesamteindruck über Geschichte und Verbreitung dieser Religion.
Gezeigt werden buddhistische Texte in 32 Sprachen und 29 Schriften. Die Liste der Exponate reicht von Handschriften auf Palmblättern oder Birkenrinde über in Gold- und Silberblätter geritzte Texte bis zur CD-ROM. Ihre Kunstfertigkeit und Seltenheit zieht durchaus auch den modernen Kulturkonsumenten in den Bann eines zunächst etwas trocken anmutenden Themas.
So kann sich der Betrachter an einem tibetischen Stoffleporello erfreuen, auf dem der Text mit rosa, blauen, gelben und roten Fäden eingestickt wurde. Oder an einer der seltenen Abschriften der "Geheimen Autobiografie des Fünften Dalai Lama", in der dieser seine mystischen Erfahrungen und Visionen beschreibt. Die Authentizität des Manuskripts belegt der rote Daumenabdruck des Dalai Lama auf einigen Seiten.
Besonders eindrucksvoll sind auch die in der Mitte des Ausstellungsraumes mehr als mannshoch aufgetürmten hundert Originalbände der jüngsten Fassung des Kanjur, der "Übersetzung der Worte des Buddha". Diese so genannte Lhasa-Ausgabe wurde 1934 vom Vorgänger des jetzigen Dalai Lama in Auftrag gegeben. Über 48.000 Drucktafeln mussten dafür geschnitten werden. Sie füllen in Tibet eine ganze Lagerhalle.
Der Kanjur existiert aber auch in anderen Fassungen, denn im Gegensatz zum Christentum, bei dem sich Protestanten und Katholiken auf die gleiche Bibel stützen, verfügen die verschiedenen Richtungen des Buddhismus über sehr unterschiedliche Schriftsammlungen. "Einer der Gründe liegt darin, dass die Lehren des Buddha sehr lange nur mündlich überliefert wurden, so kam es zu ständiger Variation", erklärt Jens-Uwe Hartmann, Indologe an der LMU München. "Verschriftlichung hätte die Fixierung sicherlich begünstigt."
Die Orientalia-Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek ist dem Generaldirektor Rolf Griebel zufolge eine der bedeutendsten Europas. Zum Orient- und Ostasienbestand der Bibliothek gehören rund 16.000 Handschriften und knapp 500.000 Drucke aus ganz Asien. Die Ausstellung zeigt nun einige der kostbaren und seltenen Schätze dieser Sammlung.
Die Ausstellung "Die Worte des Buddha in den Sprachen der Welt" ist vom 27. Januar bis 20. März zu sehen. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr.
Foto per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b050130.
Achtung: Ab sofort können Sie die Fotos direkt im Internet herunterladen unter !


