In der Manege gibt es keine Ausgrenzung

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

In der Manege gibt es keine Ausgrenzung

Das Integrationsprojekt Zirkus "Trau Dich" fördert Toleranz schon bei Kindern

Von Franziska Buch

Prinzessinnen und Gespenster, rosarote Panther und fliegende Tänzer verzaubern das Publikum. Doch nicht nur die Kostüme sind bunt gemischt, auch die Nationalitäten der jungen Künstler. Im "Zirkus Trau Dich" gibt es keine Ausgrenzung. Kinder aus Deutschland jonglieren, springen, tanzen mit Gleichaltrigen aus Bosnien, Mexiko, China, Italien und vielen Ländern mehr.

Seit 1984 besteht das Zirkus-Projekt des Trägervereins "Freundschaft zwischen Ausländern und Deutschen e.V.", das Kinder unterschiedlichster Herkunft durch das gemeinsame Einstudieren der Kunststücke einander näherbringt. "Die Grundidee ist, dass fremd aussehende Kinder als Normalität empfunden werden", erklärt Zirkusleiterin Helga Hügenell. "Beim Training wird durch die gegenseitige Hilfestellung und das Sich-aufeinander-verlassen-können Vorurteilen entgegengewirkt. Die Kinder bilden sich so ein differenziertes Weltbild."

Zum Angebot der Multi-Kulti-Manege gehört der Offene Mittwoch, an dem im Gemeindesaal der Münchner evangelischen Bischofskirche St. Matthäus-Kirche sich jede Kind beim Jonglieren, Seiltanzen, Einradfahren und anderen Kunststücken ausprobieren kann - kostenlos. Als Dank gestalten die kleinen Akrobaten dann auch mal einen Gottesdienst mit. "Beim Zirkus Trau-Dich können christliche Werte spielerisch veranschaulicht werden, wie etwa die notwendige Balance im Leben finden", sagt Helga Hügenell.

Vor zwei Jahren wurde der Zirkus "Trau Dich" bei einem deutschlandweiten Wettbewerb von Integrationsprojekten von Bundespräsident Johannes Rau in Berlin ausgezeichnet. Auch die Resonanz der Münchner Kinder und Eltern ist durchweg positiv. Die Weiterführung der Initiative sei jedoch momentan gefährdet, da die Kirche, die neben der Stadt München Hauptgeldgeber ist, aufgrund der allgemeinen Sparnotwendigkeit die Zuschüsse reduzieren wird, berichtet Helga Hügenell. "Wir werden nun vermehrt auf private Spender angewiesen sein." Aufgeben werden sie jedoch auf keinen Fall, dazu sei das Projekt ein zu wichtiger Bestandteil der Münchner Integrationsarbeit für Ausländer.

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(Artikel vom 07.03.2005)