Evangelische Studentengemeinden kritisieren Studiengebühren
Evangelische Studentengemeinden kritisieren Studiengebühren
Besondere Sorge um Studenten aus armen Familien und aus dem Ausland (Korrespondentenbericht)
Von Franziska Buch (epd)
Die Einführung der Studiengebühren ist umstritten - auch bei den evangelischen Studentengemeinden in Bayern. Ihre Sorge gilt vor allem Studenten aus einkommensschwachen Familien und aus dem Ausland. "Die soziale Schere wird durch Studiengebühren noch weiter aufgehen", prophezeit Studentenpfarrer Johannes Rehm von der Evangelischen Studentengemeinde (esg) in Bamberg.
Eine Hilfe wären mehr Stipendien. "Vereinzelte Stipendien für Überflieger sind nicht genug", so Rehm. Studienkredite aufzunehmen, sei mit Risiken verbunden. Es bestehe die Gefahr, viele Jahre mit einem Berg von Schulden da zu stehen. Künftig würden Studenten aus weniger wohlhabenden Elternhäusern wahrscheinlich vermehrt versuchen, die zusätzlichen finanziellen Belastungen durch Nebenjobs auszugleichen. Dies werde zu weniger ehrenamtlichem Engagement führen. "Für die persönliche Entwicklung der Jugendlichen sind solche Tätigkeiten jedoch sehr wichtig. Die vielgeforderte soziale Kompetenz wird darunter leiden", sagt Rehm.
Kritik an den Studiengebühren äußert auch Pfarrer Christian Sudermann aus Erlangen. Die Entwicklung werde dahin gehen, dass hauptsächlich Kinder von Besserverdienenden die Universitäten besuchen und sich damit im Berufsleben höhere Einkommen und Positionen sichern. Damit bleibe der soziale Aufstieg für Kinder ärmerer Eltern häufig nur ein Wunsch, so Sudermann.
Nach Worten des Regensburger Studentenpfarrers Friedrich Hohenberger werden sich die Nachwuchsprobleme der Kirche durch die Studiengebühren weiter verschärfen. "Denn das Theologiestudium ist mit vierzehn Semestern Regelstudienzeit eines der längsten und somit in Zukunft auch eines der teuersten", gibt er zu bedenken. Grundsätzlich werde die drastische Erhöhung der Kosten einer akademischen Ausbildung viele Abiturienten vom Studium abschrecken, so Hohenberger.
Einig sind sich die Studentengemeinden, dass von den Gebühren vor allem die ausländischen Studenten betroffen sein werden, die aus Dritte-Welt-Ländern oder aus Osteuropa nach Deutschland kommen. "Im Zuge der Globalisierung ist es auch unsere Aufgabe, den Wissenstransfer mit diesen Ländern zu fördern", meint der Erlanger Studentenpfarrer Sudermann. Dies werde erschwert, weil ausländische Studenten durch Studiengebühren abgeschreckt werden würden.
"Die Studenten, die wir kennen, arbeiten bereits alle", erzählt die Münchner Studentenpfarrerin Martina Rogler. Dass die Gebühren eine Verbesserung der Studienqualität bewirken könnten, glaubt sie nicht. Das Mitspracherecht der "Studenten als Kunden" werde keineswegs größer, meint Rogler. "Niemand kann garantieren, dass die Universitäten mehr Geld zur Verfügung haben werden. Wahrscheinlicher ist, dass andere Zuschüsse zurückgefahren werden und damit Länderfinanzlücken gestopft werden."
Die Kommerzialisierung der Hochschulen, darin ist man sich einig in den Evangelischen Studentengemeinden Bayerns, wird eher zu einem Abbau der Demokratisierung und einer Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre führen. "Der Geist der Universitäten hat andere Wurzeln", sagt Hohenberger. Der Leistungsdruck werde verstärkt. "Jeder schaut nur: was krieg ich wieder raus?".


