Kirchen Europas sollen zum Gedenken an Kriegsende läuten

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Kirchen Europas sollen zum Gedenken an Kriegsende läuten

Zwei bayerische Pfarrer werben für ein "Glockenrequiem" (Korrespondentenbericht)

Von Heinz Brockert (epd)

Zum Gedenken an das Kriegsende vor 60 Jahren sollen in ganz Europa die Kirchenglocken läuten. Diesen Vorschlag machen zwei Pfarrer aus Prien am Chiemsee (Oberbayern). Ein europaweites "Glocken-Requiem" sei eine würdige Art, um an die über 50 Millionen Toten des Weltkriegs und die Freude der damaligen Menschen über das Ende von Krieg und Hitler-Diktatur zu gedenken, sagen der evangelische Gemeindepfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth (44) und Pfarrer Dieter Hornemann (60) von der "Christengemeinschaft", der religiösen Gemeinschaft der Waldorff-Bewegung, in Prien.

Hornemann hat aus dem Geläut von Kirchenglocken aus ganz Europa ein "Requiem" von 12 Minuten komponiert und auf CD gebrannt. Seine Idee ist, dass europäische Rundfunkanstalten dieses Glockenwerk am 8. Mai gleichzeitig senden und im Anschluss die örtlichen Glocken geläutet werden. "Der Plan ist natürlich groß, aber auch wenn er nur teilweise gelingt, wäre das schon der Mühe wert", sagte der Vater von sechs Kindern und Großvater von vier Enkeln am Freitag dem epd.

Hornemann, der nach eigenem Bekunden 1980 die "Grünen" in Karlruhe mitbegründet hat, hat aus Anlass der Sonnenfinsternis 1999 in Stuttgart schon ein ähnliches Projekt verwirklicht. Es gelang ihm, die Kirchen im Talkessel der Stuttgarter Innenstadt dafür zu gewinnen, ihre Glocken nach einem vorgegebenen Ablauf zu läuten. "Von bestimmten Stellen der Stadt aus war der abgestimmte Gesamtklang zu hören", erzählt Hornemann.

Die "Glockensinfonie", die er nun für das Gedenken an das Kriegsende komponiert hat, wird von einem Glockenruf aus dem polnischen Posen eingeleitet, an das ein "Glockenkreuz von Ost nach West (Rostow bis London) und Nord nach Süd (Helsinki bis Rom) gezogen wird", wie er sagt. Dazu gehören "ein schönes orthodoxes Läuten aus Sofia, Glocken aus Braga in Portugal, die gleichsam zum Tanz einladen, ein Melodieläuten aus Chiasso im Tessin, die Glocken des Kreml in Moskau, die Heldenglocke im ungarischen Szeged und Kirchenglocken aus Nürnberg, Salzburg und vielen anderen europäischen Städten". Das Requiem endet mit der Gefallenenglocke von Rovereto in Italien.

"Das ganze Läuten an diesem Tage hört nur der liebe Gott, aber der gleizeitige Klang der Glocken wird die Menschen in Europa verbinden", sagt der Buchautor und Gründer von Gemeinden der Christengemeinschaft in Moskau, St. Petersburg, Kiew und Odessa. Mit verschiedenen Rundfunkanstalten und einigen Bundestags- oder Europaabgeordneten stehe er in Kontakt. Alle hätten ihm Zustimmung für seine Idee signalisiert. Ob sie verwirklicht wird, müsse man nun abwarten. (Kontakt über e-Mail: Dieter@Hornemann.de).

(Artikel vom 04.02.2005)