Kirchliches Netzwerk für strukturschwache Region
Kirchliches Netzwerk für strukturschwache Region
Runder Tisch plant Projekte und Angebote für Nordostbayern (Korrespondentenbericht)
Von Bernd Mayer (epd)
Hohe Arbeitslosenquoten, eine überalterte Bevölkerung, eine kriselnde Wirtschaft und die Abwanderung junger Arbeitnehmer - Bayerns Nordosten ist auch fünfzehn Jahre nach Öffnung der Grenzen noch immer die Krisenregion des Freistaates. Sogar viele Pfarrer machen einen Bogen um dieses strukturschwache Gebiet: Auf manche Pfarrstellen im ehemaligen Grenzland zur DDR und zu Tschechien meldet sich auch nach mehrmaliger Ausschreibung kein Bewerber.
Die evangelische Kirche will jetzt auf Initiative des oberfränkischen Regionalbischofs Wilfried Beyhl (Bayreuth) den Strukturwandel im östlichen Oberfranken und in der nördlichen Oberpfalz gezielt begleiten. "Ein kirchliches Netzwerk von Angeboten und Projekten soll den Menschen Mut und Hoffnung geben", sagte Beyhl gegenüber epd.
Im September vergangenen Jahres wurde in der Evangelischen Heimvolkshochschule Bad Alexandersbad ein Runder Tisch geschaffen, der seitdem für die verschiedenen Problembereiche nach Lösungen sucht. "Es geht um konkrete Hilfe und nicht um eine Wir-haben-euch-lieb-Kampagne", sagte einer der Teilnehmer. Die Menschen sollen spüren, dass sie von der Kirche nicht im Stich gelassen werden.
Ein Ansatzpunkt ist die konkrete Hilfe in sozialen Notlagen. So ist nach Beobachtung von Hans-Gerhard Koch (Nürnberg), dem Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA), das kirchliche Netz für die Zielgruppe der Hartz-IV-Betroffenen noch lückenhaft. Oft fehle es auch an der Koordination. So machten sich die neun kirchlichen Sozialläden in der Region teilweise gegenseitig Konkurrenz. Wichtig sind Koch zufolge auch Beratungs- und Seelsorgeangebote in erreichbarer Nähe.
Eine Schlüsselfunktion nimmt die Diakonie ein, die gerade in dieser schwierigen Region eine besonders starke Stellung hat. In manchen Städten gehören Kirche und Diakonie zu den größten Arbeitgebern. Sorge bereitet dem Runden Tisch, dass manche Beratungsstelle für Arbeitslose inzwischen selbst existenzgefährdet ist. Auch ein Beschäftigungsprojekt der Diakonie in der Oberpfalz ist in eine prekäre Lage geraten.
Schon jetzt gibt es ein dichtes Netz kirchlicher und diakonischer Angebote in der Region mit großer Resonanz, auch zu Konflikten in der Arbeitswelt. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, so weiß Hans Gerhard Koch aus Erfahrung, werde deutlich mehr "gemobbt", und die Berater würden von Betroffenen förmlich überrannt. Einen gewichtigen Beitrag zum kirchlichen Netzwerk gegen den Strukturwandel erwartet sich Regionalbischof Beyhl auch von der Erwachsenenbildung. Eine Vorreiterrolle kommt dabei der Evangelischen Heimvolkshochschule Bad Alexandersbad zu, die seit 2003 mit dem Projekt "BürgerBühne Fichtelgebirge" gegen die weit verbreitete depressive und zukunftsängstliche Grundstimmung in der Region ankämpft.
"Die richtigen Ideen und die richtigen Leute in der Region zusammenzubringen" - das hat sich der Runde Tisch zum Ziel gesetzt. Dabei will er auch über die bayerischen Grenzpfähle hinausblicken und funktionierende Kooperationsmodelle mit den böhmischen Nachbarn in das Netzwerk einbeziehen.


