Memmingen ehrt Freiherr von Pechmann mit einer Straße

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Memmingen ehrt Freiherr von Pechmann mit einer Straße

Erster Präsident der bayerischen Landessynode war engagierter Hitler-Gegner

Die Stadt Memmingen benennt eine Straße nach Wilhelm von Pechmann, der von 1919 bis 1922 erster gewählter Präsident der bayerischen-evangelischen Landessynode war. Wie Oberbürgermeister Ivo Holzinger am Dienstag mitteilte, ist dafür das Neubaugebiet Dobelhalde vorgesehen, in dem Straßennamen an NS-Opfer erinnern. Den Antrag dazu hatte der Memminger SPD-Landtagsabgeordnete und Synodale Herbert Müller bereits 1998 gestellt, als die bayerische Landessynode in Memmingen tagte und dabei Wilhelm von Pechmann mit einer eigenen Gedenkveranstaltung würdigte.

Freiherr von Pechmann, 1859 in Memmingen geboren, gehörte in der NS-Zeit auf evangelischer Seite zu den schärfsten Kritikern des Regimes. Während der Weimarer Republik bekleidete der Münchner Bankdirektor und theologische Ehrendoktor hohe Positionen in der Evangelischen Kirche in Deutschland. So war von Pechmann auch Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages sowie Mitglied einer verfassungsgebenden Kommission für die Evangelischen Kirchen im Deutschen Reich. Vergeblich versuchte er den damaligen bayerischen Landesbischof Hans Meiser zu einem öffentlichen Protest gegen die Judenverfolgungen zu bewegen. Enttäuscht kehrte er seiner Kirche nach den Krieg den Rücken und trat zur katholischen Kirche über. Freiherr von Pechmann starb 1948 in München.

(Artikel vom 08.11.2005)