Kirchen: Schulgebet kein Politikum
Kirchen: Schulgebet kein Politikum
Christliche Bildungsexperten warnen vor Zwang zum Gebet (Korrespondentenbericht)
Von Heinz Brockert (epd)
Die Kirchen wollen sich das Thema Schulgebet nicht von den politischen Parteien aus der Hand nehmen lassen. Das haben evangelische und katholische Bildungsexperten am Montag bei einer Pressekonferenz in Neubiberg bei München betont. CSU-Generalsekretär Markus Söder hatte das Schulgebet Ende letzten Jahres auf die politische Agenda gehoben und tägliche Morgenandachten in den Schulen gefordert. Die Kirchen zeigten sich wenig erfreut über diesen Vorstoß. Der Priester und Leiter des Katholischen Schulkommissionsrates in Bayern, Prälat Erich Pfanzelt, warnte sofort davor, das Gebet als Instrument eines politisch motivierten Kampfes gegen anders Denkende und anders Glaubende zu missbrauchen.
Am Montag präzisierten die Kirchen in ökumenischer Eintracht ihre Stellung zum Schulgebet. Es müsse nichts gefordert werden, was es bereits gebe, so die diplomatisch formulierte Kritik am Söder-Vorstoß. Das Schulgebet sei in Bayern durch Benennung von Bildungszielen in der Verfassung fest verankert. Die religiöse Toleranz gebiete es aber, Verständnis für Schüler aufzubringen, die nicht am Schulgebet teilnehmen wollen, so Prälat Pfanzelt. Schulgebete sollten Schüler und Lehrer nicht auseinander bringen, sondern zusammen führen.
"Grundverkehrt" wäre es, einen Zwang zum Gebet auszuüben, betonte der evangelische Oberkirchenrat und Bildungsexperte Helmut Hofmann. Wer das Gebet als Disziplinierungsmaßnahme missbrauchen wolle, dem fehle das Gespür für zeitgemäße Pädagogik, die eine freie und selbstständige religiöse Entwicklung fördern wolle.
Die kirchlichen Bildungsexperten schoben auch jedem Versuch, über das Schulgebet eine interreligiöse Auseinandersetzung in die Klassenzimmer zu holen, einen Riegel vor. Es sei für jeden Schüler nötig und wichtig, Mitschüler anderer Konfessionen und Religionen in ihrer Art zu Beten wahrzunehmen, wurde betont. Deshalb wurde auch von interreligiösen Gebeten abgeraten. Große Zustimmung findet hingegen bei den kirchlichen Bildungsexperten das freie Gebet in der Schule, das Problemsituationen im Schulleben oder in der weiten Welt wie die Flutkatastrophe in Asien thematisiert.


