Frieden braucht Gerechtigkeit

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Frieden braucht Gerechtigkeit

Oberkirchenrat Michael Martin bei Augsburger Ökumene-Tagung

Auf den engen Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit hat Oberkirchenrat Michael Martin (München) hingewiesen. Bei einer Tagung im Rahmen der weltweiten Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt in Augsburg plädierte der Ökumenereferent der bayerischen evangelischen Landeskirche am Wochenende für Konfliktlösungen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientierten.

Frieden sei eine Weise, mit Konflikten zu leben, die das Überleben und menschenwürdige Überstehen dieser Konflikte für beide Konfliktparteien einschließe, betonte Martin. Die militärische Intervention der NATO im Kosovo 1999 habe bewiesen, dass es keinen "sauberen Krieg" geben könne. Die vielen tausend Opfer dieser Intervention hätten eine Befriedung der Region erheblich belastet, so Martin.

Ein Konflikt lasse sich nicht lösen, wenn einer Sieger und der andere Verlierer sein soll. Dauerhaft lösen ließen sich Konflikte nur, wenn es gelinge, "berechtigte Anliegen beider Seiten freizulegen und einen Kompromiss zu finden, bei dem beide ihr Gesicht wahren können". Dies, so Martin, gelte für Konflikte zwischen Nationen und Völkern ebenso wie für Konflikte im persönlichen Bereich.

Die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt 2001 - 210 wurde vom Weltkirchenrat in Genf ausgerufen, dem über 340 christliche Kirchen in mehr als 100 Ländern angehören. Sie will den Einsatz für Frieden und Versöhnung zu einem Schwerpunkt kirchlicher Arbeit machen. Derzeit reichen die friedensethischen Position christlicher Kirchen vom Plädoyer für ausschließlich gewaltfreie Wege zum Frieden bis zur Billigung des Einsatzes begrenzter militärischer Gewalt.

Bei der Augsburger Veranstaltung zur Frage "Rechtmäßig Krieg führen oder sich widersetzen?" zogen Vertreter von Landes- und Freikirchen sowie von Friedensinitiativen eine Bilanz der bisherigen Dekadebemühungen. Kritisch reflektiert wurde auch über das Augsburger Bekenntnis von 1530 mit seiner - keineswegs pauschalen - Erlaubnis für Christen, militärisch streiten zu dürfen. Sie führte nach Angaben der Veranstalter zu Verfolgungen "gewaltfreier Christen", zu deren Unrecht sich die lutherischen Kirchen heute bekennen sollten, hieß es. Besondere Bedeutung komme hier dem Dialog mit der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden zu, die bei der Augsburger Tagung ebenfalls vertreten war.

(Artikel vom 13.11.2005)