Absage an eine "Rückkehr-Ökumene"
Absage an eine "Rückkehr-Ökumene"
Professor Track sieht Papst-Audienz des Lutherischen Weltbunds positiv
Als ein deutliches Ja zur Ökumene und als Aufforderung, in den Bemühungen um mehr Einheit der Konfessionen fortzufahren, hat der Neuendettelsauer Theologieprofessor Joachim Track die Äußerungen empfunden, die Papst Benedikt XVI. bei einer Audienz mit dem Lutherischen Weltbund (LWB) machte. "Es war eine deutliche Absage an alle, die eine Rückkehr-Ökumene wollen", sagte Track, der dem LWB-Exekutivkomitee angehört und Vorsitzender des Ausschusses für ökumenische Angelegenheiten ist, in einem epd-Gespräch. Ziel des Papstes sei eine Einheit in einer Vielfalt, in der die Gegensätze versöhnt sind.
Bei der Audienz habe sich eine theologische Debatte entwickelt, in der die Gegensätze zwischen römisch-katholischem und lutherischem Amtsverständnis offen erörtert worden seien, so Track. Der Papst habe sich dafür ausgesprochen, bei künftigen Beratungen nicht isoliert das kirchliche Amt als Institution zu behandeln, sondern den weiteren theologischen Rahmen: Dass die Kirche vom Wort Gottes lebt, das in der Heiligen Schrift zu finden ist. Und dass die Schrift immer neu aktuell ausgelegt werden müsse, wozu ein kirchliches Amt nötig sei.
Diese Auslegung entspreche auch der evangelischen Auffassung, so Track. Doch neben diesem gemeinsamen Grundverständnis sei strittig, ob das römisch-katholische Amt ein exklusives Interpretationsmonopol besitzt, während das lutherische Bekenntnis lehrt, dass die Gemeinden auch die Lehre der Bischöfe zu prüfen haben. Wegen solcher Unterschiede sollte man sich beim Amtsverständnis um einen "differenzierten Konsens" bemühen, wie in der theologischen Aussprache auch vom Papst empfohlen wurde.
Zudem habe der Papst "grünes Licht" für die weitere Behandlung dieser Fragen gegeben und dem Rat für die Einheit der Christen den Auftrag erteilt, mit dem Lutherischen Weltbund weiter daran zu arbeiten. Er sei "mit einiger Skepsis nach Rom gefahren", bilanzierte Track die Papst-Visite, "aber mit neuer Hoffnung, dass wir vom neuen Papst Unterstützung in den ökumenischen Fragen erwarten können, nun heimgekehrt."


