Luxushotel über Hitlers ehemaliger Bergresidenz
Luxushotel über Hitlers ehemaliger Bergresidenz
InterContinental eröffnet am 1. März ein Hotel auf dem Obersalzberg (Korrespondentenbericht)
Von Susanne Petersen
Der Obersalzberg bei Berchtesgaden hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: als Salzbergwerk eine Goldgrube, als Sommerfrische bei Künstlern und Industriellen beliebt, als Rückzugsort und "Führersperrgebiet" von Adolf Hitler geschätzt, von US-Streitkräften zur Erholung genutzt. Am 1. März 2005 beginnt ein neues Kapitel. Dann öffnet das "InterContinental Resort Berchtesgaden", ein Fünf-Sterne-Hotel mit 138 Zimmern, in rund 1000 Meter Höhe seine Türen.
Trotz kommerzieller Nutzung solle "die Geschichte des Obersalzbergs nicht unter den Teppich gekehrt werden", betonen die Hotel-Betreiber. Eine enge Zusammenarbeit mit der 1999 eröffneten Dokumentationsstätte am Obersalzberg und dem Institut für Zeitgeschichte sei geplant. So liege in jedem Zimmer das 500 Seiten starke Buch "Die tödliche Utopie", das Begleitbuch zur Dokumentation Obersalzberg, aus. Auch in der Informationsbroschüre für Gäste befinde sich neben Ausflugstipps ein Abriss über die braune Vergangenheit des Orts.
In Absprache mit dem Dokumentationszentrum, das mittlerweile über 136.000 Besucher pro Jahr verzeichnet, können Gästegruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten die Ausstellung und Bunkerstollen besichtigen. Im Rahmen der Mitarbeiterschulung des Hotels vermittelt das Institut für Zeitgeschichte (ifz) neuen Interconti-Angestellten in Berchtesgaden ein historisches Basiswissen über den Obersalzberg. Volker Dahm vom ifz begrüßt, dass der Obersalzberg wieder für den Fremdenverkehr genutzt werden kann: "Wir müssen mit jedem NS-Ort etwas anfangen, bewusst oder unbewusst." Das Gelände abzusperren oder verwildern zu lassen, hieße, den "Führerwillen" in die Gegenwart zu verlängern.
Tourismus hat Tradition auf dem Obersalzberg. Schon 1871 wurde mit dem "Verschönerungsverein" eine Art Tourismusbüro gegründet, ein Jahr später standen die ersten Fremdenzimmer zur Verfügung. Berchtesgaden mit seiner beeindruckenden Bergkulisse von Watzmann und Hohem Göll entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zur beliebten Sommerfrische für Prominente wie die Musiker Johannes Brahms und Clara Schumann, den Psychoanalytiker Sigmund Freud und den Erfinder der "Aspirin"-Tablette, Arthur Eichengrün.
Das dunkle Kapitel des Obersalzbergs wird 1925 eingeläutet: Nach seiner Festungshaft in Landsberg kommt Adolf Hitler auf den Berg und schreibt in einer Blockhütte im Wald den zweiten Teil von "Mein Kampf". Ab 1933 verwandelt sich der Obersalzberg in das so genannte "Führersperrgebiet": Hitler errichtet im pompösen "Berghof" seinen inoffiziellen Regierungssitz, wo er Staatsbesuche empfängt und die Pläne zur Besetzung der Tschechoslowakei und zum Angriff auf Polen entwickelt. Andere NS-Größen wie Martin Bormann, Hermann Göring und Albert Speer errichten ihre Ferienhäuser in Hitlers Nachbarschaft. Ein Zaun schirmt die NS-Führungsriege vom Volk ab.
Am 25. April 1945 bombardieren britische und amerikanische Kampfflugzeuge den Obersalzberg und zerstören einen Großteil der Gebäude. Was davon übrig ist, wird 1952 vom Freistaat Bayern weggesprengt. Bis 1996 nutzen die amerikanischen Streitkräfte den Obersalzberg als Erholungszentrum für ihre Soldaten. Das Hotel "General Walker" lockt mit einem Golfplatz, mit Tennisplätzen und Skiliften.
Nach dem Abzug der US-Truppen beschließen Freistaat und Gemeinde Berchtesgaden ein Zwei-Säulen-Konzept für den Obersalzberg: Eine Dokumentationsstätte soll die Bedeutung des Orts in Hitlers Schreckensregiment ausleuchten, ein neues Hotel soll an die Fremdenverkehrstradition des Obersalzbergs anknüpfen. Am 20. Oktober 1999 wurde das Dokumentationszentrum, dessen Größe und Gestaltung im Vorfeld heiß diskutiert wurde, eröffnet.
Eine Debatte um das neue Luxushotel, das am 1. März an den Start geht, gab es vor Ort nicht. "Die Berchtesgadener sind zufrieden mit der positiven Entwicklung der Dokumentationsstätte und mit den Möglichkeiten, die ein Hotel dieser Kategorie für den Fremdenverkehr eröffnet", sagt Linda Pfnür, Leiterin der Dokumentationsstätte.


