"Die Religion ist ein zukunftsträchtiger Bereich"
"Die Religion ist ein zukunftsträchtiger Bereich"
Steigende Studierendenzahlen in der Theologie erwartet (Korrespondentenbericht)
Von Franziska Buch
Langeweile oder mangelnde Aktualität ist nicht das Problem der Theologie. "Es ist, als würde man jedes Semester ein anderes Fach studieren", schwärmt Susanne Langer, Studentin der evangelischen Theologie an der LMU München, von der Vielfältigkeit ihres Studiums. "Von Philosophie über Psychologie, Soziologie, Literatur, Geschichte und Pädagogik bis hin zu Archäologie, aus fast sämtlichen Wissenschaften ist etwas dabei", pflichtet ihr Kommilitonin Anna Barth zu. Für Clemens Monninger ist die evangelische Theologie eine Lebensschule. "Man muss sich ständig mit grundlegenden Fragen des Lebens auseinander setzen und Position beziehen."
Die zurückgehenden Studierendenzahlen in Bayern - seit dem letzten Höchststand 1985 mit 225 Neuaufnahmen auf der Anwärterliste für das Geistliche Amt der Evangelischen Landeskirche sind sie konstant gesunken und erreichten 2004 nur noch 39 Neuaufnahmen - erklären sich die Studierenden der Münchner Fachschaft Theologie etwa durch die Länge des Studiums. Auch das Erlernen der drei alten Sprachen - Latein, Griechisch und Hebräisch - wirke auf viele abschreckend. Eine große Rolle spiele mit Sicherheit auch, so Theologiestudentin Lisa Nipperdey, eine falsche Vorstellung vieler Jugendlicher von Christentum und Kirche. Zudem nehme die Tendenz zu, sich nicht an Institutionen binden zu wollen.
Dorothea Greiner, Oberkirchenrätin für Personal der Evangelischen Kirche Bayern, sieht einen Grund für die Fluktuation in der zurückhaltenden Aufnahmepolitik vieler Landeskirchen in den letzten zehn Jahren. Über Jahre hinweg sei in einigen Bundesländern nur die Hälfte der Absolventen von der Kirche übernommen worden. Hauptansatzpunkt der bayerischen Landeskirche in der Werbung um Nachwuchs sei demnach eine kontinuierliche Personalpolitik, erklärt Greiner. "So möchten wir den Studienanwärtern Vertrauen einflößen". Obwohl also bis 2006 die Personalkosten um 15,5 Prozent gekürzt werden sollen, werde die Landeskirche Bayern diese Einsparungen bis 2012 strecken, so dass alle geeigneten Bewerber in den Vorbereitungsdienst aufgenommen werden können, so Greiner.
"Ein sicherer Arbeitsplatz, eine schöne Wohnung, über das Leben und den Glauben philosophieren und dafür auch noch bezahlt werden", die Aussichten am Ende des Theologiestudiums klängen doch nicht schlecht, scherzen die Münchner Studenten. Der Pfarrberuf sei das Hauptziel des Studiums, doch gebe es durchaus auch andere Möglichkeiten, betont Clemens Monninger. Im sozialen Bereich könne man etwa als Seelsorger arbeiten oder in einer der vielen Beratungsstellen. Aber auch Personalabteilungen, Verlage, Jugendarbeit oder Erwachsenenbildung böten Berufsfelder für Theologen. Die jährlich stattfindende evangelische Berufsmesse im Haus Eckstein in Nürnberg stellt Berufsprofile aus Kirche, Diakonie und Schule vor.
"Die Gesellschaft braucht theologische Kompetenz", meint Dorothea Greiner. "Die Religion ist ein zukunftsträchtiger Bereich, gerade heute, wo der Dialog mit dem Islam und den anderen Weltreligionen immer wichtiger wird." Dies spiegele sich wider in Studiengängen wie dem Bachelor "Religious Studies" in Bayreuth. Eine allgemeine Umstrukturierung des Theologiestudiums nach dem Bachelorsystem sei in Bayern jedoch in nächster Zeit nicht in Sicht, so Greiner. Allerdings solle das Studium der Theologie modularisiert werden. "Ziel ist dabei, den Studenten im Grundstudium eine bessere Orientierung in sämtlichen grundlegenden Inhalten und eine raschere Grundwissensvermittlung zu ermöglichen", erläutert die Personalchefin.
Einschränkungen könne es bei der Lehrerausbildung geben, gibt Greiner zu. "Wenn die Hochschulrektoren sich auf eine Konzentration der Lehrerausbildungsstandorte einigen sollten, ist es wahrscheinlich, dass die evangelische Theologie ebenfalls Lehrerausbildungsstandorte aufgeben müsste, prognostiziert sie. Hinsichtlich des Nachwuchses ist Dorothea Greiner jedoch grundsätzlich optimistisch. "Ich denke, dass nach dem Tiefstand der Studierendenzahlen von 2004 nun eine Umkehr stattfinden wird. Es wird wieder mehr Theologiestudenten geben."


