Augustinus in Tönen

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Augustinus in Tönen

Wilfried Hiller hat eine Oper über den Kirchenvater komponiert (Korrespondentenbericht)

Von Franziska Buch

"Es ist leichter, das Meer mit einer Muschel auszuschöpfen als die theologischen Probleme zu lösen" - schrieb Augustinus Aurelius (354 - 430), Philosoph, Kirchenvater und Heiliger. Als ein fast ebenso schwieriges Unterfangen mag es gelten, eine Oper über Augustinus zu komponieren. Der Komponist Wilfried Hiller hat die Herausforderung angenommen und zum Libretto von Winfried Böhm eine Oper komponiert. Am 19. März wird in der Lukaskirche, der größten evangelischen Kirche Münchens, das Werk "Augustinus - Ein klingendes Mosaik. Kirchenoper in sieben Bildern" uraufgeführt.

Augustinus und sein Werk sind auch heute noch lebendig und aktuell - das ist eine der Botschaften des Werkes. Der Schluss will dies symbolisieren, indem die Sänger die ersten beiden Sätze der "Confessiones" von Augustinus in verschiedenen Sprachen singen, sprechen und rufen, bis sie am Schluss alle die Taubstummensprache verwenden und so die Oper stumm ausklingen lassen.

"Beim Komponieren beginne ich meist mit dem Schluss", erzählt Wilfried Hiller. Bevor er die erste Note schreibe, beschäftige er sich intensiv mit Sekundärliteratur. So habe er neben den "Confessiones" unter anderem auch Augustinus' "De musica" gelesen. In Griechenland, wo Hiller ein kleines Haus auf einer einsamen Insel besitzt, habe er oft vor einem alten Aphroditentempel gesessen und stundenlang auf das Meer geblickt, bis ihm so nach und nach Fragmente einzelner Klänge und Melodien in den Kopf kamen. "Ein solches Werk wächst wie ein Mosaik", sagt Hiller.

Eine Besonderheit der Oper sei, dass der Heilige selbst überhaupt nicht vorkommt. Dargestellt werde er nur durch die Reflexion der Personen, die ihm nahe standen: seine Mutter, seine Geliebte, sein Sohn, seine Schüler. Diese Figuren singen Texte von und über Augustinus und lassen so das Bild des Kirchenvaters entstehen, so Hiller. Auch habe er sich immer wieder mit dem Librettisten Winfried Böhm getroffen, damit sich Text und Musik unter wechselseitigem Einfluss entwickeln.

Auch ungewöhnliche Stilmittel werden genutzt. "Die erste Szene klingt fast wie HipHop, weil unentwegt das Schlagzeug durchpeitscht", erklärt Hiller. Hier sei er wohl von seinem Sohn beeinflusst worden, der in einer HipHop-Band spielte. Bei einer anderen Szene halten die Sänger Gläser in der Hand, mit denen sie Töne erzeugen. Oder es geht eine Geigerin im Raum umher, ihr folgen Schlagzeuger, die in Morsezeichen spielen. "Der ganze Raum wird klanglich genutzt", so Hiller.

Im Mittelpunkt des Werkes steht die Abkehr des Augustinus von Äußerlichkeiten und die Einkehr in sein eigenes Inneres, wo er sich selbst und Gott findet. Und so "liegt der Heilige am Ende des Stückes in Rom im Sterben, aber sein Samen geht auf und wird in die Welt hinausgetragen", sagt Hiller.

(Artikel vom 10.03.2005)