Griabiges Beisammensein garantiert
Griabiges Beisammensein garantiert
180 Hochzeitslader sorgen in Bayern für Gaudi und Ordnung auf Hochzeiten (Korrespondentenbericht) (mit Bild)
Von Franziska Buch
"Einen Toten hatte ich auf einer Hochzeit, und fast wäre es auch einmal zu einer Geburt gekommen", berichtet Franz Tafertshofer aus Polling von seinen wildesten Erfahrungen als Hochzeitslader. "Da muss man flexibel sein und darf sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen." Tafertshofer, der auch beim Trachtenverein als Vorplattler tätig ist und in einer Tanzkapelle Blasmusik spielt, arbeitet nebenberuflich als Hochzeitslader.
"Ich möchte nicht, dass zu sehr die Routine einkehrt, daher mache ich nicht mehr als zehn Hochzeiten im Jahr", erzählt der Pollinger. Angesprochen wird er meist von Paaren, die über Mund zu Mund-Propaganda von ihm erfahren haben. Etwa drei Monate vor der Hochzeit findet die erste Vorbesprechung statt. Die Aufgaben des Prograders, wie er auch genannt wird, sind vielfältig. Die Gästen werden heute meist per Post eingeladen. Denn bei über 200 weit verstreuten Gästen kann man nicht mehr verlangen, dass der Hochzeitslader bei jedem persönlich vorspricht, um sein Einladungsverserl aufzusagen.
Abgesehen von solchen durch den Wandel der Gesellschaft hervorgerufenen Veränderungen wird aber noch der traditionelle Ablauf einer bayerischen Hochzeit eingehalten. Als erstes kommt die örtliche Burschenschaft oder Freunde des Bräutigams zum Einsatz: In der Nacht vor der Hochzeit muss ein Hochzeitsbaum im Garten des Paares aufgestellt werden, "heimlich, aber mit viel Radau", so Tafertshofer. Der Baum darf erst wieder entfernt werden, wenn der erste Stammhalter da ist.
Um fünf Uhr morgens wecken die Burschen das Brautpaar mit Sylvesterknallern. Beim "Morgendank" ging früher der Hochzeitslader dann mit dem Bräutigam zum Elternhaus der Frau, wo diese damals bis zur Hochzeit wohnte. Hier sprach er den Brauteltern einen herzlichen Dank für das gute und christliche Aufziehen des Mädchens aus. Dann ging es gemeinsam weiter zum Weißwurstfrühstück. Heute fallen diese beiden Programmpunkte meist zusammen, da das Brautpaar schon vor der Hochzeit eine gemeinsame Wohnung bezieht.
Vom Heim geht es weiter zur Kirche. Jetzt ist der Hochzeitslader bei der Zusammenstellung des Kirchenzuges gefragt. Noch wird nämlich strikt nach "Manderl" und "Weiberl" getrennt. Dem Bräutigam folgen Kranzljungherr, Väter, Brüder, Onkel und alle weiteren männlichen Gäste und dann schließen sich die Frauen, geführt von der Braut, an. Diese Trennung wird nach der Trauung aufgehoben. Bei den Mahlzeiten sorgt der Hochzeitslader dafür, dass "a jeder da sitzt, wo er sitzen soll, dass a zünftige Blechmusi spuit und alle gut versorgt san". Früher wurde bei der Sitzordnung noch mehr Wert darauf gelegt, dass Verwandte und Bekannte möglichst durcheinander saßen. "Da sollte gleich die nächste Hochzeit in die Wege geleitet werden", lacht Tafertshofer.
Bevor Punkt Mitternacht alle nach Hause gehen, stehen noch das Weisen und das Brautverziagn, die Entführung der Braut, auf dem Programm. Beim Weisen müssen alle Hochzeitsgäste der Ehrmutter, der Taufpatin der Braut, ihre Geschenke und einen kleinen Betrag als Kindswaschgoid für die erste Kinderkleidung abliefern.
Dann folgt das "Abdanken": Mit Hilfe von Informationen, die er zuvor vom Brautpaar erhalten hat, dichtet der Prograder Gstanzln über ausgewählte Gäste. "Dabei wern die Leit scho a bisl abgwatscht, aber so, dass ma hinterher noch a Mass Bier zam trinken kann", erklärt Tafertshofer. Die Hochzeitsbräuche sind selbst innerhalb Bayerns sehr unterschiedlich. "Ich würde mich nicht trauen, eine Hochzeit im Berchtesgadener Land zu begleiten", meint der Prograder.
"Die Verantwortung des Hochzeitsladers ist groß", sagt Tafertshofer. Er braucht Witz, gute Menschenkenntnis und Organisationstalent, muss die Brautleute beruhigen, die Gäste in Stimmung bringen und dafür sorgen, dass der Zeitplan mit allen Einlagen eingehalten werden kann. "Der Prograder sorgt nicht nur dafür, dass sich die Leute stets gut amüsieren", meint Tafertshofer, "die Hochzeitsgäste fühlen sich durch den festen Ablauf auch sicherer." Selbst wenn es immer weniger Hochzeiten gibt: Der Hochzeitslader hat in Bayern eine Zukunft.
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