Bayern riecht anders

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Bayern riecht anders

Alpines Museum München zeigt Ausstellung über "Alpine Duftgeschichte" (Korrespondentenbericht) (mit Bild)

Von Rieke C. Harmsen

Bayern riecht anders. Das merkt man schon am Heu, das in kleinen Holzkisten im Alpinen Museum in München liegt. Oberbayerisches Heu riecht frisch und ein wenig holzig, die getrockneten Gräser aus dem Allgäu hingegen blumiger und würzig. Schon tauchen vor dem inneren Auge Erinnerungen auf - an eine Wanderung über frisch gemähte Wiesen und eine gemütliche Rast an einem Heuschober.

"Mit der Nase in die Berge" heißt die Ausstellung im Alpinen Museum, die vom 17. März bis 12. Februar 2006 "Alpine Duftgeschichten" erzählt. Ebenso gut könnte die wunderbare kleine Schau "Wanderung in die Erinnerung" heißen, denn wer seine Nase an die vielen Ausstellungsobjekte und Reagenzgläser hält, wird unweigerlich ins Staunen geraten.

"Düfte und Gerüche", so erklärt der Schweizer Kurator Beat Gugger vor Journalisten am Mittwoch, "sind in unserer Welt kaum mehr notwendig. Wenn wir aber etwas riechen, dann führt uns das oft unmittelbar zu unseren Erinnerungen". Alpendüfte seien so vielseitig wie die Berge selbst. "Mich hat interessiert, diese Facetten darzustellen", sagt Gugger, der eine ähnliche Ausstellung bereits im Forum der Schweizer Geschichte in Schwyz konzipiert hatte.

Vier Stationen umfasst die Ausstellung, die speziell auf die bayerischen Gegebenheiten adaptiert wurde. Eine "Alpenwanderung" führt zunächst durch die Vielfalt der pflanzlichen Düfte in den einzelnen Vegetationsstufen - an Efeu, Lärchen, Alpenveilchen, Schneealgen vorbei, aber auch an den öligen Einzelteilen der Zugspitzseilbahn, einem Stein oder einer Miniatur-Eismaschine.

"Wir möchten die gesamte Bandbreite der Gerüche darstellen und Besuchern auch etwas beibringen", sagt Gugger. So würden Steine eigentlich nur deshalb nach etwas riechen, weil sie von winzigen Sporen bedeckt sind. Und das berühmte "Sankt-Quirinus-Öl", das Mönche in der Nähe des Tegernsees als Heilmittel verkauften, sei nichts anderes als Erdöl.

Die "gute Bergluft", mit der auch heute noch um Tourismus geworben wird, sei eigentlich ein Produkt des 19. Jahrhunderts, so Gugger. Damals begannen die Menschen zur Erholung in die Berge zu fahren, und es entstanden Kurorte wie Bad Reichenhall oder Wildbad Kreuth. Berühmteste Protagonistin dieser Zeit sei Königin Marie von Bayern (1825-1889), die mit Kleid und speziell geschneiderten Hosen sowie schwarzem Tirolerhut die Berge erklomm.

Über fünfzig verschiedene Düfte und Gerüche hat die Ausstellung versammelt. Neben wohlriechenden ätherischen Duftölen, dem Geruch von Bienenwachs, Parfüms oder Blumen kann der Betrachter auch schmunzelnd die Nase rümpfen: Zum Beispiel dann, wenn er vor einem ausgestopften Gaisbock steht, aus dessen Fell auch nach zehn Jahren die Pheromone strömen, oder in einer nachempfundenen Almhütte, wenn er plötzlich vor einem Paar Wollsocken steht.

In der letzten Station ermöglicht die Ausstellung einen ironischen Blick auf den Kommerz, der heutzutage mit den Alpendüften betrieben wird. Einen ganzen Raum nehmen die Produkte ein, die mit dem Image der "guten Alpenluft" spielen - darunter Milchprodukte, Waschmittel, Schokolade oder Alkohol, Toilettenduft oder Müsliriegel. Dann doch lieber echtes Heu riechen.

Alpines Museum München, Praterinsel 5, 80538 München, www.alpines-museum.de. Öffnungszeiten dienstags bis freitags 13 bis 18 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr. Karfreitag ist das Haus geschlossen.

Fotos per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b050340 bis b050345. Fotos können ab sofort auch im Internet heruntergeladen werden unter .

(Artikel vom 16.03.2005)