Die menschliche Seite vom "göttlichen" Mozart

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Die menschliche Seite vom "göttlichen" Mozart

Bayreuth erinnert an Tod von Mozarts "Bäsle-Häsle" vor 165 Jahren – (Korrespondentenbericht) (mit Bild)

Bernd Mayer

Vom großen Mozart-Jahr fällt auch ein Abglanz auf Bayreuth. Dort verbrachte eine Cousine des von vielen als "göttlich" verehrten Wolfgang Amadeus Mozarts ihre letzten 27 Lebensjahre in einer unauffällig bürgerlichen Existen. An Maria Anna (Marianne) Thekla Mozart, besser bekannt als "Augsburger Bäsle" des Musikgenies, kommt kein Biograf vorbei. Denn: Ihre Liaison liefert eine der deftigsten und amüsantesten Fußnoten zum Genius Mozart - vielleicht sogar eine Art Psychogramm des "himmlischen Kindes".

Unmittelbar vor Mozarts 250. Geburtstag, der am 27. Januar weltweit gefeiert wird, jährte sich Bäsles 165. Todestag. Marianne Thekla Mozart starb am 25. Januar 1841 im Alter von 82 Jahren. Ihr verdankt die Musikwelt die Erkenntnis, dass der berühmte Vetter einige "irdische" Charaktereigenschaften besaß, die ihn so menschlich erscheinen lassen. Berühmt sind die so genannten Bäsle-Briefe wegen der direkten und freizügigen, manchmal drastisch derben Fantasien gespickten Sprache.

In jungen Jahren hatte die Base von Mozart als seine "Sexgespielin" insgesamt neun Briefe erhalten, von denen sieben an deftigen Worten kaum zu überbieten sind. Er schrieb der Tochter eines Bruders seines Vaters Leopold er von 1977 bis 1781. Sie waren sie 1777 in Augsburg begegnet. Für zartbesaitete Mozart-Liebhaber stellen sie deshalb eine einzige Anfechtung dar. In den Briefen lebte er auf und brachte die unernste, komische Seite seines Wesens zum Klingen, wie Mozart-Forscher herausfanden. So sei darin ein sehr intimes Bild des Komponisten zu erkennen.

So schrieb der "alte junge Sauschwanz Wolfgang Amadée", wie er sich übermütig nannte, seinem allerliebsten "Bäsle-Häsle" Briefe, die von Unsinn, Frivolität und Begriffen aus der Fäkaliensprache nur so strotzten. Immerhin machte er auf diese Weise auch Marianne Thekla, sein "liebes Violincellchen", unsterblich. Welches Verhältnis die beiden tätsächlich pfelgten, ist bis heute ein Geheimnis.

Marianne Thekla Mozart überlebte ihren Vetter um ein halbes Jahrhundert. Die letzten 27 Jahre ihres Lebens als würdige Matrone in Bayreuth hinterlassen kaum noch Spuren. Immerhin fand sich im Nachlass noch ein kleines auf Elfenbein gemaltes Bildnis, das ihr Wolfgang Amadeus Mozart einst aus Mannheim geschickt hatte.

Die Stadt Bayreuth hat sich spät daran erinnert, der letzte irdische Ort von Marianne Thekla Mozart gewesen zu sein. Im Februar 1965 wurde vom damaligen Oberbürgermeister eine Gedenktafel an ihrem Wohnhaus am Jean-Paul-Platz enthüllt. Das Stadtoberhaupt dämpfte damals übertriebenen Lokalstolz: "Wir sind nicht so vermessen, der Musikwelt überraschend zu verkünden, dass Bayreuth nun auch eine Mozartstadt ist." Die Grabstätte auf dem Bayreuther Stadtfriedhof gilt seit hundert Jahren als verschollen.

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(Artikel vom 26.01.2006)