Der Kampf gegen alles Hässliche

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Der Kampf gegen alles Hässliche

Zur Wiedereröffnung zeigt das Museum Villa Stuck eine "Art Nouveau"-Ausstellung (Korrespondentenbericht) (mit Bild)

Von Rieke C. Harmsen

Dreizehn Jahre hat es gedauert, die historischen Räume der Villa Franz von Stucks zu restaurieren und wieder herzustellen. Am Freitag, 18. März, ist es soweit: Dann kann das Publikum durch die Privaträume des Künstlerfürsten Stuck (1863-1928) flanieren, durch den Empfangssalon mit Goldmosaiken und Spiegelfenstern, den Musiksalon im pompejanischen Stil, durch Boudoir, Speisezimmer und Rauchsalon zum Maleratelier mit dem "Altar der Sünde".

"Die Münchner Villa Stuck zählt zu den Höhepunkten in der Geschichte der Künstlerhäuser", erklärte Museumsdirektorin Jo-Anne Birnie Danzker am Donnerstag vor Journalisten. Denn der Maler entwarf nicht nur die Architektur des Hauses, sondern schuf ganze Raumkunstwerke, bei denen Möbel und Wanddekoration, Böden und Gemälde aufeinander abgestimmt waren. Mehrere Restauratorenteams und knapp 13 Millionen Euro waren nötig, um die Räume, die durch einen Bombenangriff 1944 stark beschädigt wurden, in ihrer ursprünglichen Form wieder herzustellen, Stoffe nachzuweben, Parkettböden zu reparieren, Lampen, Gläser und Möbel zu restaurieren.

Zur Wiedereröffnung der historischen Räume wartet die Villa Stuck obendrein mit einer exquisiten Sonderausstellung auf: "L' Art nouveau. La Maison Bing" erklärt die Entstehung des französischen Kunststils Art nouveau. Dabei richtet sich das Augenmerk auf den aus Hamburg stammenden Kunsthändler und Sammler Siegfried Bing (1838-1905), der chinesische und japanische Kunst sammelte und 1985 in Paris die Galerie "Art Nouveau" eröffnete, die dem Stil auch ihren Namen verlieh.

Die Ausstellung präsentiert über 400 Objekte und Kunstwerke, die in Bings Galerie verkauft und gezeigt wurden: Großformatige Gemälde von Vuillard, Valloton oder Signac, Möbel von Van de Velde, Colonna oder Gaillard, Glas von Tiffany oder Porzellan von Georges de Feure. Es ist die "bisher umfassendste Ausstellung zu diesem Thema, für die Leihgaben aus knapp 20 Ländern zusammengetragen wurden", so Museumsdirektorin Birnie Danzker.

Ausstellung und historische Räume sollen zugleich "Parallelen und Querverbindungen von Siegfried Bing zu seinem Münchner Zeitgenossen deutlich machen", so die Direktorin. So überwanden sowohl Kunsthändler als auch Künstler die Kluft zwischen bildender und angewandter Kunst, suchten nach künstlerischen Lösungen zur Ästhetisierung von Wohnräumen - und hatten beide einen ausgeprägten Sinn für Vermarktung und Zeitgeschmack.

Siegfried Bing war mit der Verknüpfung von Galerie, Kunsthandwerk, eigenen Werkstätten und Werbung eine Art Pionier der modernen Möbelindustrie von heute. Und so ist nicht verwunderlich, dass die Beschreibung seiner Galerie von 1895 auch aus der Feder eines Möbeldesigners von heute stammen könnte: "L'Art nouveau soll den Kampf gegen alles Hässliche und Prätentiöse an den uns umgebenden Dingen antreten und diese mit perfektem Geschmack, Charme und schlichter Schönheit erfüllen, bis hin zu den nichtigsten Gebrauchsgegenständen".

Das Museum Villa Stuck, Prinzregentenstraße 60, 81675 München, ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung "L'Art nouveau" ist bis 31. Juli zu sehen.

Foto per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b050360 bis b050363.

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(Artikel vom 17.03.2005)