Heiraten am Freitag verstieß einst gegen die guten Sitten
Heiraten am Freitag verstieß einst gegen die guten Sitten
Heute sind die kirchliche Vorschriften gelockert (Korrespondentenbericht) (mit Bild)
Von Katja Hees
Den Freitag wählen Paare heute gerne als Hochzeitstermin - schließt sich doch das Wochenende an: Praktisch für weit angereiste Gäste, gut für die Erholung nach einem ausschweifenden Fest. Im Mittelalter, teilweise bis ins 20. Jahrhundert hinein, war das ganz anders: Am Freitag heiratete man nicht, so wollte es der Brauch.
"Seit der Einführung des Christentums war der Freitag in den meisten Regionen des deutschsprachigen Raums für Hochzeiten ausgeschlossen", sagt Manfred Seifert, Leiter des Fachbereichs Volkskunde an der Universität Passau. Nach christlichem Verständnis galt der Freitag als Fasttag: Der Christ sollte sich an Karfreitag und den Kreuzestod Christi erinnern, in sich gehen, kein Fleisch essen und schon gar nicht tanzen. "In der Gesellschaft wurde der Freitag so für Feierlichkeiten zunehmend entwertet", sagt Seifert.
Tabu war das Heiraten auch zu allen kirchlichen Fastenzeiten - nachzulesen etwa in der "Ordnung kirchlichen Lebens" der evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland: "Es ist gute Sitte, dass die ersten Feiertage vor Weihnachten, Ostern, Pfingsten, der Buß- und Bettag und die Karwoche, in manchen Gemeinden die ganze Advents- und Passionszeit als geschlossene Zeiten gelten."
"Diese Vorschriften sind heute stark aufgeweicht", sagt Markus Hepp, der Sprecher der evangelischen Landeskirche in Bayern. Die "Leitlinien kirchlichen Lebens", die im April die "Ordnung kirchlichen Lebens" ablösen werden, empfehlen Pfarrern zum Thema "Hochzeitstermin" lediglich: "In der Karwoche sollen keine Hochzeiten stattfinden." Warum diese Lockerung? "Im öffentlichen Leben hat die Bedeutung der Feiertage stark abgenommen", sagt Hepp. Paaren, die sich eine kirchliche Trauung wünschen, wolle die Kirche lieber Möglichkeiten statt einer Verbotsliste bieten.
Schließlich, so Hepp, sei die Hochzeit eine gute Chance, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die sonst kaum oder gar nicht mehr in die Kirche gehen. In der katholischen Kirche sieht man das ähnlich. "Bis auf Karfreitag und Karsamstag gibt es keinerlei Einschränkungen für eine Hochzeit", sagt Adelheid Utters-Adam, die Sprecherin der Erzdiözese München.
"Die Leute heiraten heute bevorzugt von April bis Oktober", meint Utters-Adam. Aus Hoffnung auf sonniges Wetter wählen die meisten einen Termin im Sommer. Je wärmer die Witterung, desto luftiger kann das Brautkleid ausfallen - ein Kriterium, das man bis ins 20. Jahrhundert hinein nie bedacht hätte. Damals waren neben kirchlich bedingten Bräuchen auch wirtschaftliche Zwänge entscheidend für die Wahl des Hochzeitstermins.
"Während der bäuerlichen Hauptarbeitszeit heiratete man kaum", sagt Manfred Seifert. In den Zeiten des Säens und Erntens blieb einfach keine Zeit, ein Hochzeitsfest zu organisieren. Außerdem habe man bei der Terminwahl darauf geachtet, dass genug Nahrungsmittel vorhanden sind, so Seifert. Der Volkskundler Gustav Schmidt schreibt in seinem 1994 erschienenen Buch "Oberfränkisches Brauchtum in alter und neuer Zeit", man habe gerne im Winter geheiratet, oft nach dem zweiten Schlachtfest im Januar oder Februar, spätestens zum Kartoffelhacken Mitte Juni.
Laut Schmidt musste die Trauung bei zunehmendem Tageslicht, also vor zwölf Uhr, stattfinden, sollte sie den Segen von Welt und Natur haben. Auch habe man bevorzugt Tage des zunehmenden Mondes gewählt, damit in der Ehe ebenfalls alles zunehme. Manfred Seifert bewertet derartige Aussagen kritisch: "Wissenschaftlich ist nicht erwiesen, wie stark solche Kriterien verbreitet waren." Auch früher hätten in erster Linie Sachzwänge die Wahl des Hochzeitstermins bestimmt. Daneben habe man natürlich versucht, durch Bräuche des Aberglaubens spielerisch das Schicksal zu beeinflussen.
Hierzu hat epd-bild Fotos "Hochzeit1/2" über mecom-Bildfunk verbreitet; auch abrufbar unter und Tel.:069/58098-197


