Kirchliche Strategien für Nordostbayern

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Kirchliche Strategien für Nordostbayern

Netzwerk kämpft gegen das Negativimage "bayerisches Sibirien"

Von Bernd Mayer

Die evangelische Kirche sorgt sich um die Region Fichtelgebirge/Nordostbayern, die unter einem schwierigen Strukturwandel leidet. Unter Federführung des oberfränkischen Regionalbischofs Wilfried Beyhl (Bayreuth) wird seit zwei Jahren ein kirchliches Netzwerk aufgebaut, das soziale, seelsorgerliche und wirtschaftliche Projekte auf den Weg bringen will. Dabei wollen die kirchlichen Akteure auch das Negativimage der Region gründlich aufpäppeln, wie es bei einer Konferenz am Donnerstag in Bad Alexandersbad hieß.

Vor kirchlichen Repräsentanten aus verschiedenen Arbeitsbereichen betonte der langjährige Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA), Sozialpfarrer Hans-Gerhard Koch (Nürnberg), "wir können nicht zusehen, wie die Region sang- und klanglos untergeht, und dabei nur Sterbebegleitung leisten". Sorge bereitet den kirchlichen Verantwortlichen der landesweite Ruf der Region als "bayerisches Sibirien", in dem die Menschen rau und zugeknöpft seien. "Ein Fichtelgebirgler überwindet im Umgang mit Neulingen nur schwer seine innere Mauer", sagte Gemeindepfarrer Thomas Gube aus Tröstau. Er sprach sich für eine Theologie der Offenheit aus.

Den Strukturwandel in der Region begleiten wird vom 1. März an ein Pfarrer mit Spezialauftrag. Der 42-jährige Theologe Wolfgang Lehmann, der auch Betriebswirtschaft studiert hat, übernimmt dann die erste landeskirchliche Projektstelle in Nordostbayern mit Dienstsitz in Hof und Bad Alexandersbad. Diese Sonderleistung in Zeiten angespannter Kirchenfinanzen veranlasste die Selbitzer Schwester Miriam Zahn zu dem Ausruf: "Ich bin richtig stolz auf meine Kirche".

Zu den Projekten, mit denen das Netzwerk die resignative Stimmung überwinden will, gehört auch eine Sprachoffensive. Sie solle dazu beitragen, die nachbarschaftlichen Kontakte zu Tschechien effektvoller zu nutzen. Bisher wurde beklagt, dass zwar viele Tschechen gut deutsch sprächen, aber nur ganz wenige Nordbayern tschechisch. Ein Schwerpunkt soll auch der Seelsorge im Strukturwandel gewidmet werden. Dabei sollen besondere Angebote, wie eine Telefonhotline für Menschen mit Insolvenzverfahren, entwickelt werden.

Die Kirche, so der Hofer Dekan Günter Saalfrank, könne zwar keine Arbeitsplätze schaffen. Sie könne aber gleichsam der Motor sein für ein neues Lebensgefühls in der Region: "Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft, die sich den Herausforderungen der Zukunft stellt."

(Artikel vom 10.02.2006)