Ostafrika droht eine Hungerkatastrophe
Afrikaexperte warnt: Die Reserven sind aufgebraucht (Korrespondentenbericht) (mit Bild)
Von Annekathrin Jentsch
Elf Millionen Menschen sind in Ostafrika und am Horn von Afrika vom Hunger bedroht. Schuld ist die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Schuld sind aber auch Kriege, Aids, Landstreitigkeiten und hohe Lebensmittelpreise. "Ein Kontinent, der sich vor 50 Jahren mit Lebensmitteln gut selbst versorgen konnte, muss heute riesige Mengen Lebensmittel einführen", stellt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften fest.
Reinhard Hansen, Afrikareferent der bayerischen evangelischen Missionswerks in , befürchtet nach der Rückkehr von einer Kenia-Reise das Schlimmste: "Die letzten Reserven sind aufgebraucht." Seit drei Jahren hat es in Kenia nicht mehr geregnet, allein dort sollen vier Millionen Menschen von der Hungersnot betroffen sein.
Die Herdenbesitzer suchen für ihre Rinder verzweifelt nach Weideflächen. Meist umsonst. Was einem Herdenbesitzer nach erfolgloser Suche von seiner Herde blieb, waren vier halb verhungerte Tiere, erzählt Hansen. Früher bekam der Viehhalter für ein kräftiges Rind rund 170 Euro. Jetzt sind die klapperdürren Tiere nichts mehr wert. "Die einst stolzen Herdenbesitzer verfallen der Armut", warnt Hansen. Den Ackerbauern geht es nicht besser. Weil sie wegen der Ernteausfälle ihre Darlehen nicht zurückzahlen können, geraten sie zu aller Not noch tiefer in die Schuldenfalle.
Angesichts der Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung von Präsident Kibaki die Weltbank hält deswegen einen Kredit über 260 Millionen US-Dollar zurück habe die evangelisch-lutherische Kirche des Landes einen transparenten Hilfsansatz entwickelt, berichtet Hansen. Demnach stellen die Kirchengemeinden überkonfessionelle Nothilfekomitees auf, die ihrerseits die Bedürftigen benennen und ihnen gegen Unterschrift die Lebensmittel aushändigen.
Geplant sind pro Person 17 Kilogramm Mais und ein halber Liter Öl zum Kochen. "Damit ist sichergestellt, dass die Hilfe bei den Familien ankommt", sagt Hansen. Die christlichen Kirchen wollen über ihre gemeinsame Aktion "Action by Churches Together" zwei Millionen Euro für die Hungernden bereitstellen. 200.000 Euro davon soll die kenianische lutherische Kirche erhalten, die mit der bayerischen Landeskirche in Partnerschaftsbeziehungen steht. Das bayerische Missionswerk ruft zu Spenden auf. Überweisungen auf Konto 10 11 111 bei der Acredobank Nürnberg (BLZ 760 605 61), Stichwort "Dürre in Kenia".
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