Ökumenische Offenheit und benediktinische Tradition
Ökumenische Offenheit und benediktinische Tradition
Evangelische Kirche will ehemaliges Kloster wieder mit Leben erfüllen (Korrespondentenbericht) - (mit Bild)
Von Thomas Greif
Ein geistiges Zentrum mit besonderer Strahlkraft war viele Jahrhunderte das Kloster Heidenheim auf dem Hahnenkamm im heutigen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Nach einer Zeit des Niedergangs will die evangelische Landeskirche nun an das große Erbe des frühen Mittelalters anknüpfen. Am Sonntag, dem traditionellen Walburgatag, führt Regionalbischof Helmut Völkel im Münster Pfarrer Hans Schlumberger(52) als Geschäftsführer der sich im Aufbau befindlichen Dokumentations-, Begegnungs- und Bildungsstätte Kloster Heidenheim ein.
Heidenheim ist ein spezielles fränkisches Soziotop. Seit Schließung der Hahnenkamm-Kaserne vor zwei Jahren hat die Gemeinde mit derzeit 2.700 Einwohnern nur noch ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt ihre stolze Klostergeschichte: Die begann im Jahr 752, als die angelsächsischen Missionare Wunibald und Willibald, enge Vertraute des Bonifatius, auf der Suche nach einem geeigneten Ort für eine Klostergründung zu der schon bestehenden Siedlung "Heidanheim" gelangten. Heidenheim war die erste Klostergründung im gerade zehn Jahre jungen Bistum Eichstätt.
Gewaltigen Aufschwung erfuhr das Kloster, als nach Wunibalds Tod dessen Schwester Walpurgis nach Heidenheim kam und nach angelsächsischem Vorbild ein Doppelkloster für Mönche und Nonnen gründete. Walpurgis, deren Gebeine zunächst in Heidenheim beigesetzt und später nach Eichstätt und Monheim überführt wurden, gelangte in ganz Mitteleuropa zu hohen Ehren als beliebte Volksheilige. Heidenheim wurde zu einem Kristallisationspunkt der Christianisierung im südlichen Frankenreich.
Erst die Reformation bereitete dem Klosterleben im 16. Jahrhundert ein Ende. Die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche, in die Klostergebäude zogen der markgräfliche Klosteramtsverwalter und seine Bediensteten ein. Einige Zeit lang hatten hier staatsbayerische Behörden ihren Sitz, doch seit 1959 wird das Kloster fast nur noch zu Wohnzwecken genutzt.
Nach einem gescheiterten kommunalen Belebungsversuch vor vier Jahren geht nun die Initiative von der Kirche aus. Sie hat erkannt, dass keine andere evangelisch geprägte Stätte in Bayern das gemeinsame Erbe der großen Konfessionen so nachdrücklich verkörpert wie das romanische Münster St. Wunibald mit den gotischen Hochgräbern von Walpurgis und Wunibald samt dem dazugehörigen Klosterkomplex.
Schützenhilfe leistete die Bezirksfinanzdirektion Ansbach, als sie im Juni 2004 die Klosteranlage samt 500 Jahre alten historischem Kreuzgang im Internet "zum Höchstgebot" veräußern wollte. Nach landesweiten Protesten organisierte der Heidenheimer Dekan Klaus Kuhn, damals erst fünf Monate im Amt, einen "runden Tisch" aus Politik, Verwaltung und Kirche, und so verschwand die Verkaufsofferte aus dem Immobilienangebot des Freistaats.
"Früher gingen geistliche Impulse von Heidenheim aus, und das soll wieder so werden", wünscht sich der Dekan. Die gedanklichen Entwürfe, die beim Walburgatag auch mittels einer Ausstellung präsentiert werden sollen, sehen neben einer kleinen musealen Dokumentation der großen Klostergeschichte vor allem Raum für Bildung und Begegnung vor. Dazu verhandelt Kuhn mit zwei fränkischen evangelischen Kommunitäten, die in dem ehemaligen Kloster eine Dependance "in ökumenischer Offenheit und benediktinischer Tradition" (Kuhn) schaffen könnten. Das Dekanat will zudem eine zusätzliche halbe Pfarrstelle für das Klosterprojekt zur Verfügung stellen.
Interesse an Kooperation hat bereits die Katholische Universität Eichstätt angemeldet. Auch die Neuendettelsauer Augustana-Hochschule möchte der Dekan gern mit ins Boot holen. Ihren Platz in der Planung hat auch die Spielberger Künstlerfamilie Steinacker, die schon jetzt Teile des Klosters als Atelier nutzt. Offen bleibt bislang die Frage nach der Finanzierung. Für das ehrgeizige Vorhaben müssen die Klosterräume millionenschwer saniert und umgebaut werden. Ein "Zweckverband Kloster Heidenheim" aus politischer und kirchlicher Gemeinde soll den Bau vom Freistaat Bayern zu einem symbolischen Preis in einem Erbbaurechtsverhältnis erwerben. Die 12.000 Euro, die der Zweckverband jährlich bereitstellen kann, reichen aber bestenfalls für die laufenden Betriebskosten. Und auch die fließen erst, wenn der Zweckverband einmal gegründet ist. Im Gemeinderat müssten erst noch Unstimmigkeiten ausgeräumt werden, bestätigt Bürgermeister Ewald Ziegler.
Fotos per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b040610 und b040611.


