Landesbischof wirbt für Theologiestudium

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Landesbischof wirbt für Theologiestudium

Geeignete junge Leute erwartet ein "nahezu krisensicherer Job" (Korrespondentenbericht)

Von Gerhard Lenz

Landesbischof Johannes Friedrich hat die Pfarrer der evangelischen Landeskirche zu verstärkter Werbung für das Theologiestudium aufgerufen. "Wir brauchen mehr Pfarrernachwuchs", betonte Friedrich am Dienstag bei der Frühjahrstagung des bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins in Wildbad Rothenburg. Geeignete junge Leute, die ihr Studium erfolgreich abschließen, erwarte in der bayerischen Kirche "ein nahezu krisensicherer Job", so der Bischof.

Bei der Tagung wurden Zahlen vorgelegt, denen zufolge derzeit etwa 130 der im kirchlichen Landesstellenplan vorgesehenen 1775 Gemeindepfarrstellen unbesetzt sind. Obwohl die Landeskirche im Rahmen ihres Sparprogramms bis 2012 rund 280 Pfarrdienstverhältnisse durch natürliche Fluktuation abbauen will, zeichne sich schon jetzt ein längerfristiger Mangel an Gemeindepfarrern ab, hieß es.

Pfarrervereinsvorsitzender Klaus Weber (Altenkunstadt) verwies darauf, dass nach dem derzeitigen Planungsstand erstmals 60 Pfarrstellen vorgesehen seien, durch die Dekaninnen und Dekane bei Personalführungsaufgaben entlastet werden sollen. "Tatsache ist, dass dadurch nur noch etwa 1400 Pfarrstellen der unmittelbaren Gemeindearbeit zur Verfügung stehen", so Weber.

Widerspruch erntete der Landesbischof bei seinem Hinweis, dass das Verhältnis zwischen Pfarrstellen und Anzahl der Gemeindemitglieder in Bayern immer noch günstiger sei als in den meisten anderen evangelischen Kirchen Deutschlands. Eine Pfarrerin berichtete, dass sie mit ihrem Mann von einer gemeinsamen Stelle aus für rund 2.500 Gemeindemitglieder zuständig sei, was mehr als das Doppelte des statistischen Mittelwertes ausmache. Einer ihrer Kollegen teilte mit, dass er durch die zusätzliche Vertretung einer seit längerem unbesetzten Nachbargemeinde für 6.000 Menschen zuständig sei.

Bei der Tagung wurde deutlich, dass der Mangel an Pfarrern in der Landeskirche ungleich verteilt ist. Überdurchschnittlich viele unbesetzte Pfarrstellen gebe es in Oberfranken und im westlichen Mittelfranken. Landesbischof Friedrich verwies auf einen Beschluss des Landeskirchenrats, nachdem Vakanzen künftig "so gerecht wie möglich" auf die bayerischen Dekanate verteilt werden sollen.

Weiteres Thema der Tagung war die veränderte Bedeutung des Pfarrhauses im Gemeindeleben. Der Anspruch nach Offenheit dieses Hauses und das berechtigte Bedürfnis der Bewohner nach einem "eigenen Leben", das nicht der Öffentlichkeit total preisgegeben ist, bewege Pfarrfamilien heute mehr denn je, sagte Weber. Im Pfarrhaus wohne nicht mehr nur der Pfarrer mit seiner Familie, sondern häufig auch die Pfarrerin mit ihrem berufstätigen Ehemann, der allein stehende Pfarrer oder die Pfarrerin und inzwischen auch Pfarrer und Pfarrerinnen mit ihrem gleichgeschlechtlichen Partner. In vielen Gemeinden gebe es Probleme mit der Finanzierung von Pfarrhausrenovierungen, die in der Regel bei einem Pfarrstellenwechsel anfallen. Manche Gemeinden müssten dafür ihre gesamten Rücklagen auflösen, so Weber. Der Pfarrerverein hoffe, das der Landeskirchenrat in absehbarer Zeit ein schlüssiges Konzept für die künftige Finanzierung und Renovierung der Pfarrhäuser vorlegt.

(Artikel vom 26.04.2005)