logo
Veröffentlicht auf EPV - Evangelischer Presseverband für Bayern (http://www.epv.de)

"Auch mit schwachen Mitteln das Unrecht bekämpfen"

"Auch mit schwachen Mitteln das Unrecht bekämpfen"

Brecht-Tochter Hanne Hiob erfüllt das Vermächtnis ihres Vaters (Korrespondentenbericht)

Von Heinz Brockert

"Man muss auch mit schwachen Mitteln das Unrecht bekämpfen." Getreu dieser Forderung ihres Vaters Bert Brecht hat sich die Schauspielerin und Autorin Hanne Hiob gesellschaftlich eingemischt und tut es auch heute im Alter von 82 Jahren immer noch. Politisches Straßentheater, Lesungen, Diskussionsforen, Unterschriftenlisten - die erste Tochter Bert Brechts aus der Ehe mit der Wiener Opernsängerin Marianne Zoff hat mit ihren Möglichkeiten, der "Kunst als Waffe", Faschismus, Rassismus, Krieg, Ausländerfeindlichkeit und anderes Unrecht gebrandmarkt und bekämpft. Für ihre Lebensleistung erhält sie in diesem Jahr den Aachener Friedenspreis.

In München ist sie am 12. März 1923 geboren und hier lebt sie heute. Die bayerische Landeshauptstadt hat sie 2003 mit der Medaille "München leuchtet - Den Freunden Münchens" ausgezeichnet. Sie habe "politische Geradlinigkeit" bewiesen und sei eine Frau, die "gegen den Strom schwimmt und mit ihren Positionen das Meinungsspektrum erweitert", so der sozialdemokratische Oberbürgermeister Christian Ude. Das ist gewunden ausgedrückt und versteckt den politischen Standort der Geehrten: weit links und lange von der Hoffnung auf eine geschichtliche Rolle der real existierenden DDR beseelt.

"Ich habe den Zufall, die Tochter Bert Brechts zu sein, mir zu Nutze gemacht, mit seinen Worten meine eigene Botschaft mitzuteilen", hat Hanne Hiob einmal von sich gesagt. Bert Brecht emigrierte früh aus Nazi-Deutschland. Hanne Hiob schützte, dass ihre Mutter in zweiter Ehe mit dem von allen geschätzten Schauspieler und Komiker Theo Lingen verheiratet war. Ihre Theaterlaufbahn begann sie 1941 als ausgebildete Schauspielerin, Soubrette und Tänzerin. Sie spielte in vielen europäischen Städten in Stücken von Strindberg, Satre, Gorki, Tolstoi, Dürrenmatt, Frisch, Shakespeare und ihrem Vater Bert Brecht und in Filmen. Ein besonderer Höhepunkt war ihr Engagement bei Gustav Gründgens in Hamburg in "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe".

1976 beendete Hanne Hiob ihre Theaterlaufbahn und trat noch stärker das politische Erbe ihres Vaters an. Sie holte ihn aus dem Theater auf die Straße, so im "Anachronistischen Zug oder Freiheit und Democracy", das ein Gedicht Brechts in Szene setzt. 1989 inszenierte sie die Tournee "Am Fleischerhaken hängt er, ach" (Brecht) mit Aussagen von Wehrmachtsdeserteuren. "Letzte Briefe aus Konzentrationslagern" folgte mit mehr als 200 Lesungen in Theatern und Schulen. In München gehörte sie zu den Initiatoren eines Lese-Marathons aus den Werken der von den Nazis verfemten Autoren am Tag der Bücherverbrennung (10. Mai), an der sich jedermann beteiligen kann. 1990 gab sie Briefe ihres Vaters "an Marianne Zoff und Hanne Hiob" heraus.

(Artikel vom 09.05.2005)

URL:
http://www.epv.de/node/190