Afrikaner werden nicht bekehrt
Theologiekurs für Gemeindeleiter aus Schwarzafrika in Bayern (Korrespondentenbericht) (mit Bild)
Von Annekathrin Jentsch
Sie kommen aus dem Kongo, aus Togo oder Angola und sind in der Münchner "Faith Charismatic Church" oder dem "Centre Evangelique Francophone de Mittelfranken" in Nürnberg zu Hause. 14 Männer und eine Frau nehmen derzeit an einem Kurs für afrikanische Gemeindeleiter im bayerischen evangelischen Missionswerk in Neuendettelsau teil. Die Protestanten aus Afrika erhalten in Bayern eine theologische Ausbildung und Hilfen bei der Integration.
Fast alle Teilnehmer kommen aus Pfingstkirchen, die ein gänzlich anderes Verständnis der Bibel haben und Phänomene wie Zungenreden und Ekstase praktizieren. Kursleiter Moritz Fischer vom Missionswerk weiß, dass das für die lutherische Kirche eine Herausforderung bedeutet. Bekehren will er nicht. Glauben bedeute, sagt er, voneinander zu lernen und sich in Frage stellen zu lassen. Fischer fordert, mehr Augenmerk auf die ausländischen Gemeinden in Bayern zu legen: "Wir haben hier gewissermaßen Übersee vor der Haustür."
Die Kontakte zu den rund zehn Gemeinden laufen meist über den Kongolesen Emmanuel Ndoma, der im Missionswerk für die Arbeit mit afrikanischen Christen und Migranten in Bayern zuständig ist. In den Großstädten gibt es inzwischen
afrikanische Gemeinden mit bis zu 300 Mitgliedern, weiß Ndoma. Aber auch kleinere Städte wie Bayreuth, Ansbach oder Aschaffenburg seien Migrantengemeinden zur Heimat geworden.
Für ihre Gottesdienste nutzen sie Kirchen und Gemeindehäuser der Landeskirche oder mieten eigene Räume an, berichtet Ndoma. Die Gesamtzahl der Afrikaner in Bayern schätzt er auf einige tausend. Die Christen unter ihnen hätten sich in rund 30 Gemeinden und Hauskreisen pfingstlich-charismatischer Prägung zusammengefunden.
Neben allem Pro und Kontra zur richtigen Bibelauslegung ist durch den Neuendettelsauer Gemeindeleiterkurs eine Vernetzung der afrikanischen Gemeinden entstanden. Erstes konkretes Zusammenspiel: In Nürnberg veranstalten am 29. Juli afrikanische Gemeinden, das Missionswerk und die evangelische Gemeinde St. Jakob gemeinsam einen Open-Air-Gottesdienst.
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