Die Familienatmosphäre stimmt
Die Familienatmosphäre stimmt
Jugendinstitut: Nur zwei Prozent der Kinder in Deutschland klagen (Korrespondentenbericht)
Von Heinz Brockert
Die meisten Kinder zwischen 5 und 9 Jahren in Deutschland fühlen sich in Familie und Freundeskreis wohl. Das hat eine seit 2002 laufende Befragung des Deutschen Jugendinstituts (dji) in München von rund 1.000 Kindern, 2.200 Müttern und 1.300 Vätern ergeben. In der positiven Einschätzung des Familienklimas unterscheiden sich weder Einzel- noch Geschwisterkinder, weder Kinder aus vollständigen Familien noch aus anderen, weder Kinder in deutschen Familien noch in Familien mit Migrantenhintergrund, hieß es am Montag bei der Vorstellung der ersten Ergebnisse der Befragung ("dji-Kinderpanel"), die fortgesetzt wird. Nur zwei Prozent der Kinder beurteilen das Klima in ihren Familien negativ.
Allerdings wachsen die Kinder je nach Einkommen und sozialem Status ihrer Eltern sehr unterschiedlich auf. Ein Drittel kann in ausreichend großen Wohnungen und sicherem Nahumfeld lernen und spielen. Ein Drittel lebt dagegen in mehrfach risikobelasteten Wohnverhältnissen: die elterliche Wohnung ist klein und schlecht ausgestattet und die nähere Umgebung bietet wenig Spielmöglichkeiten. Häufig ist die Verkehrsbelastung im Umfeld hoch. Das Umfeld hat auf Dauer Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Kinder, so die Forscher. "Kinder aus der niedrigeren Schicht haben ein engeres Spektrum von Aktivitäten als jene aus der höheren Schicht."
Fast jedes vierte Kind in dieser Gruppe nimmt nicht an Ausflügen oder Reisen teil. Dagegen haben Kinder aus dieser Einkommensgruppe mehr Spielkameraden. In zwei Punkten ist die Kinderwelt über alle finanziellen Möglichkeiten hinaus in Deutschland gleich: 96 Prozent der 5- bis 6-Jährigen besuchen einen Kindergarten. Und 95 Prozent sitzen in ihrer Freizeit auch vor dem Fernseher, die meisten im Kreise der Familie. Ein Viertel der Kinder im Vorschulalter und ein Drittel im Alter von 8 bis 9 Jahren schaut allerdings alleine in die "Glotze".
Nach Ermittlung der dji-Forscher gehen die meisten Kinder in der Altersgruppe 8 bis 9 gerne oder sogar sehr gerne zur Schule: "Der Unterricht macht ihnen Spaß und sie fühlen sich in ihrer Klassengemeinschaft wohl." Ihre eigenen Leistungen schätzen die meisten sehr positiv ein, am besten im Fach Sport, am schlechtesten in der Rechtschreibung. Allerdings haben 40 Prozent oft Angst, in der Schule zu viele Fehler zu machen. Kinder aus niedrigeren sozialen Schichten äußern diese Befürchtung häufiger als Gleichaltrige aus höheren.


