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DFB soll sich bei verfolgten Fußballern der Nazizeit entschuldigen

DFB soll sich bei verfolgten Fußballern der Nazizeit entschuldigen

Fußballhistoriker: Das Thema muss auch nach der WM auf der Tagesordnung bleiben (Korrespondentenbericht)

Von Heinz Brockert

Mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland haben vor einigen Jahren der Deutsche Fußballbund (DFB) und einige Bundesligavereine damit begonnen, ihre unrühmliche Geschichte in der Nazizeit aufzuarbeiten. "Da ist etwas in Gang gekommen, das wir lange nicht für möglich gehalten haben", sagte am Donnerstagabend der Fußballhistoriker Dietrich Schulze-Marmeling (Altenberge bei Münster) bei einer Veranstaltung der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau. "Selbst der DFB bekennt sich jetzt zu den damals verfolgten und verfemten Personen in seinen Reihen."

Schulze-Marmeling hat in diesem Prozess Nachhilfe als Herausgeber eines grundlegenden Buches "Davidstern und Lederball - Die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball" (Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2003) gegeben. Die Nazis begannen schon bald nach der Machtergreifung 1933 Druck auf die Fußballvereine auszuüben, Juden und Regimekritiker aus ihren Reihen auszuschließen. Viele kamen dem willfährig nach, einige wie der FC Bayern München und Eintracht Frankfurt leisteten hinhaltenden Widerstand, der aber auch bald gebrochen wurde.

Warum der damalige deutsche Fußball den Nazis ein besonderer Dorn im Auge war, führte Schulze-Marmeling bei der Veranstaltung in Dachau aus. Der Fußball in Deutschland begann nicht, wie oft kolportiert, als Teil der Arbeiterbewegung, sondern war in seinen Anfängen weitgehend eine elitäre Bewegung, die sich stark an England und der leichten und eleganten Spielweise von Mannschaften wie Austria Wien und MTK-Budapest im Donauraum orientierte. Weltläufige Deutsche, darunter etliche jüdische Familien, waren bei der Gründung des Deutschen Fußballbundes am 28. Januar 1900 in Leipzig engagiert. Fußball galt vielen zunächst als "undeutsch", besonders in jenen Vereinen, in denen die Turner das Sagen hatten. Es gab sogar den untauglichen Versuch, besondere deutsche Fußballregeln einzuführen.

Liberale Fußball-Pioniere wie der deutsche Jude Walther Bensemann, Gründer des "Kicker", priesen den Fußball von Anfang an als Mittel der Völkerverständigung an. Bensemann konnte wie andere Juden der ersten Fußball-Stunde vor den Nazis fliehen. Nach dem Weltkrieg waren es emigrierte deutsche Juden wie Gus Manning, der als erster US-Bürger ins Exekutivkomitee des Weltfußballverbandes FIFA gewählt wurde, die Deutschland die Rückkehr in den internationalen Fußball ebneten, "und damit auch den WM-Sieg von 1954 möglich machten", wie Schulze-Marmeling ausführte.

"Das Thema muss auch nach der Weltmeisterschaft auf der Tagesordnung bleiben", sagte der Fußballautor. "Der DFB sollte eine Gedenktafel für die von den Nazis verfolgten und ermordeten Fußballer und Funktionäre an seiner Zentrale anbringen und sich offiziell bei den Opfern entschuldigen." Ein weiteres Zeichen könnte es sein, Fußballstadion nach deutschen Juden im Nationaldress zu benennen. Zu ihnen gehörten Julius Hirsch und Gottfried Fuchs vom damaligen Karlsruher FV. Hirsch, der in Auschwitz ermordet wurde, war der erste jüdische deutsche Nationalspieler. Gottfried Fuchs hält bis heute den Tore-Rekord der deutschen Nationalmannschaft mit zehn Treffern beim 16:0 gegen Russland 1912.

Bei der Veranstaltung in Dachau meldete sich auch Manfred Stoffers vom Sponsor Festina des TSV 1860 München mit kritischen Worten zu fremdenfeindlichen Tendenzen in deutschen Fußballstadien zu Wort. Die Firma ist in 65 Ländern der Welt tätig. Stoffers hob die Arbeit des Fan-Clubs "Löwen gegen rechts" hervor und ermunterte dazu, "solche staatsbürgerliche Bildungsarbeit nicht nur bei den Fans sondern auch bei rechts-anfälligen Funktionären zu leisten".

(Artikel vom 07.04.2006)

URL:
http://www.epv.de/node/1912