Der liebe Gott als Laufpartner

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Der liebe Gott als Laufpartner

Pfarrer findet auf langen Strecken seelische Balance und geistige Fitness (Korrespondentenbericht) (mit Bild)

Von Hartmut Heß

Sport wird groß geschrieben im unterfränkischen Segnitz. Vor allem die Faustballerinnen machen bis hin zur Nationalmannschaft von sich reden. Da passt es gut, dass auch Pfarrer Christian Bernath begeisterter Sportler ist, der sich in seinen Laufschuhen ebenso wohl fühlt wie im Talar.

Sein Beruf, seine Familie und Sport sind die Lebensschwerpunkte des 37-Jährigen. Er spielt mit seinen Präparanden Fußball oder fährt mit seinen Gymnasiasten eine Woche zum Skikurs. Der große Pfarrgarten wird häufig zum Fußballplatz umfunktioniert, wenn Bernath mit seinen Söhnen im Schatten des Kirchturms kickt.

"Der Sport gehört zu meiner Biografie und ist aus meinem Leben nicht wegzudenken. Wenn ich mal keine Gelegenheit habe, raus zum Laufen zu gehen, werde ich unleidlich und müde", sagt Bernath. Geboren im niederbayerischen Burghausen, war Judo für den damals Neunjährigen die erste sportliche Betätigung neben dem Schulsport. Nachdem er mit seinen Eltern nach München und später nach Landshut gezogen war, verschrieb er sich der Leichtathletik, vor allem Sprint und Weitsprung. Später ließ er sich von einem Lehrer zum Mittel- und Langstreckenläufer ausbilden.

"Zwischen 17 und 22 Jahren hatte ich meine sportlich stärkste Zeit. Damals lief ich die 10.000 Meter auf der Bahn in 34:09 Minuten", sagt der Pfarrer. Er wurde zum begeisterten Cross- und Bergläufer, gewann viele Pokale und einen auch bis heute treuen Begleiter: den Herrgott. Vor allem das Berglaufen und Bergwandern habe für ihn eine geistliche Dimension bekommen. "Wenn du läufst, hast du viel Zeit zum Nachdenken und Reflektieren. Gott wurde für mich dabei zum Gesprächspartner und Wegbegleiter", so der verheiratete Vater von drei Kindern.

Gott habe ihn schon bei einigen "Spinnereien" im Hochgebirge beschützt. Damit meint der Segnitzer Abenteuer wie die Ersteigung eines 6.000-ers in den Anden zusammen mit einem Bergführer, der ebenso unerfahren war wie Bernath selbst. Ob Laufsport, Skilanglauf oder Bergsteigen, solche Ausdauersportarten stuft er als charakterlich prägend ein: "Da lernst du, nicht aufzugeben und deine Aufgabe zu Ende zu führen."

In den vergangenen Jahrzehnten gewann Bernath mehrere Bergläufe, war Drittplatzierter bei den Bayerischen Meisterschaften im 25 Kilometer-Straßenlauf und Bayerischer Vizemeister über 3.000 Meter Hindernis. Vergangenes Jahr nahm ihn der Segnitzer Leichtathlektik-Abteilungsleiter kurzerhand mit nach Landshut zu den Bayerischen Meisterschaften im Turnerischen Mehrkampf. In seiner alten Heimat wurde der Pfarrer in der Klasse Männer 40 auf Anhieb Zweiter und erfüllte dabei sogar die Qualifikationsnorm für die Deutschen Meisterschaften.

Mit dem Läufervirus infiziert drängt es ihn unentwegt zum Laufen an die frische Luft. Immer wieder nimmt er an Laufveranstaltungen im Umkreis teil. "Ich bin wie ein Rennpferd, das am Start darauf wartet, endlich loslaufen zu dürfen", schätzt sich Bernath selbst ein. Vor Monaten bewältigte er seinen ersten Marathon. 2:47 Stunden benötigte er für die 42 Kilometer. "Ich laufe sehr gerne, stundenlang muss es aber nicht sein", schränkt er ein und schnürt schon die Schuhe für die nächste Laufeinheit am Mainufer.

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(Artikel vom 11.05.2005)