Im Räderwerk der Zahlen
Im Räderwerk der Zahlen
Stellenreduzierung in der Kirche schwieriger als erwartet (Korrespondentenbericht)
Von Gerhard Lenz (epd)
Der angestrebte Abbau von 1.200 Stellen in der evangelischen Landeskirche gestaltet sich schwieriger als erwartet. Nach Angaben von Planungsreferent Reiner Appold wurden bisher auf freiwilliger Basis 46 Vollzeitstellen und 20 Millionen Euro Personalkosten dauerhaft eingespart. Allerdings halte sich die freiwillige Mitwirkung der Beschäftigten in Grenzen. Die Folge: "Betriebsbedingte Kündigungen sind ab 2006 nicht mehr auszuschließen", so Appold am Donnerstag.
Der Theologe ist Leiter des kirchlichen "Umsetzungsmanagements", ein Begriff, der sowohl für die Rotation kirchlichen Personals als auch für die Verwirklichung kirchlicher Spargesetze steht. Mit vier ständigen Mitarbeitern und gelegentlichen Honorarkräften bemüht er sich seit einem Jahr um eine kirchengemäße Variante der Entlassung von Arbeitskräften in Großunternehmen. 19 Millionen Euro für Beratungen, Abfindungen und Umschulungen standen ihm zur Verfügung - ein Drittel davon ist mittlerweile ausgegeben.
Wie viele Menschen derzeit in der bayerischen Kirche für Lohn arbeiten, ist angesichts der Vielzahl von Teilzeit- und Nebenbeschäftigungsverhältnissen nicht zu ermitteln. Nach Appolds Unterlagen beschäftigt die "verfasste Kirche" - zu der das Diakonische Werk mit rund 40.000 Mitarbeitern nicht gehört - rund 23.000 Menschen. Darunter befänden sich über 8.000 geringfügig Beschäftigte. Rechnerisch gehe seine Abteilung von etwa 12.000 Vollzeitarbeitsplätzen aus, die allerdings durch Teilzeitverträge von wesentlich mehr Personen besetzt seien, erläutert er.
Die Kirchensteuer-Einnahmen der Landeskirche gehen seit fünf Jahren kontinuierlich zurück. Richtschnur der Haushaltsbeschlüsse der Landessynode ist eine dauerhafte Reduzierung der Personalkosten binnen dreier Jahre bis Ende 2006 um 60 Millionen Euro.
Ein Drittel der 1.200 Stellen müssten Kirchengemeinden, Dekanatsbezirke und freie Träger außerhalb der verfassten Kirche abbauen, so die Rechnung des Planungsreferenten. Diese Anstellungsträger erhalten inzwischen um 15 Prozent gekürzte Gesamtkostenzuschüsse der Landeskirche, die sie teilweise durch Verbesserungen ihrer Einnahmenseite auszugleichen versuchen.
Etwa 600 Stellen sollen laut Appold von der Landeskirche "unmittelbar" abgebaut werden. Doch auch hier bleibt die Sache kompliziert. Etwa die Hälfte beträfen bis 2012 auslaufende öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse von Pfarrern, Diakonen und Religionspädagogen. Bei der anderen Hälfte gehe es um privatrechtlich Beschäftigte, also Angestellte und Arbeiter. Deutliche Einschnitte stünden bei den von neun auf drei reduzierten Kirchensteuerämtern an, deren Mitarbeiterzahl von 150 auf 100 verringert werde. Bislang bearbeitete Appolds Abteilung 541 Fälle für Beamte im Kirchendienst, Angestellte und Arbeiter. 90 Anträge und 278 Anfragen seien abschließend behandelt worden.
Zunehmendes Interesse verzeichnet Appold er an der Jobbörse der Landeskirche. Der Stellenmarkt im innerkirchlichen Nachrichtensystem Intranet werde durchschnittlich etwa 9.000 mal im Monat angeklickt. Die elektronische Pinnwand, an der jede frei werdende Stelle eines landeskirchlichen Mitarbeiters ohne Beamtenstatus mindestens vier Wochen lang angeboten werden muss, listet derzeit 48 Stellen in Bayern auf. Daneben sind 17 Personen auf der Suche. Die Jobbörse erweise sich als "wertvolles Instrument für sozialverträglichen Personalabbau und vermindere die Gefahr betriebsbedingter Kündigungen", so der Planungsexperte.


