Ausgebrannte Mütter brauchen Hilfe
Ausgebrannte Mütter brauchen Hilfe
Müttergenesungskuren werden aber immer seltener bewilligt (Korrespondentenbericht)
Von Heinz Brockert
Mütter-Kuren und Mütter-Kind-Kuren gehören zu den wirksamsten Hilfen für mehrfach belastete und ausgebrannte Mütter. Die Müttergenesungsbewegung in Deutschland, die auf die Frau des ersten Bundespräsidenten, Elly Heuss-Knapp, zurück geht, glaubte sich am Ziel, als der Bundestag 2002 die volle Kostenübernahme für diese Reha-Maßnahme als "Pflichtaufgabe aller Krankenkassen" beschloss. Bis dato konnte jede Kasse selbst entscheiden, ob sie die Kosten voll oder nur teilweise übernimmt.
In der Praxis stellte sich bald heraus, dass das Gesetz einen gegenteiligen Effekt hat: Immer mehr Kassen lehnen die Bewilligung der Kuren aus unterschiedlichen und teils fadenscheinigen Gründen ab. Lag die Ablehnungsquote 2003 bundesweit bei 34 Prozent, so stieg sie im letzten Jahr auf 38 Prozent, in Bayern gar auf 43 Prozent. In den acht in Bayern noch existierenden Kurhäusern für Mütter und Kindern (zwei wurden kürzlich in Eichstätt und Regen-Weißenstein geschlossen) sank die Zahl der Betreuten 2004 um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im 1. Quartal dieses Jahres waren es noch einmal 20 Prozent weniger. Das veranlasste jetzt den Bayerischen Landesausschuss Müttergenesung in der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern zu geharnischtem Protest.
Die Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags und Schirmfrau der Müttergenesung Barbara Stamm (CSU) warnte vor der Presse am Donnerstag in München vor einer Katastrophe in der Familienpolitik. Gesa Schumacher, Mitglied des Landesausschusses für Müttergenesung und Leiterin der Mutter-Kind-Einrichtung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Bad Königshofen (Unterfranken) forderte Christa Stewens, Stamms Nachfolgerin als bayerische Sozialministerin und Mutter von sechs Kindern, auf, "als Aufsichtsbehörde der Krankenkassen gegen die massive Ablehnung von Mütter- und Mutter-Kind-Maßnahmen einzuschreiten".
Mütter seien häufig "rund um die Uhr" gefordert, erklärte Gesa Schumacher. Nicht selten müssten sie neben den Kindern auch kranke oder pflegebedürftige Eltern betreuen. Viele trügen durch berufliche Tätigkeiten auch zum Familieneinkommen bei. "Als Folge der Mehrfachbelastungen oft über viele Jahre ergeben sich eine Vielzahl körperlicher und seelischer Beschwerden." Viele Mütter entwickelten "ein ausgeprägtes Erschöpfungssyndrom". Bei den am stärksten betroffenen Frauen zwischen 25 und 45 Jahren gehen wissenschaftliche Schätzungen davon aus, dass jede fünfte Mutter dringend eine Kur und Auszeit benötigen würde. Aber nur etwa ein Prozent von ihnen nimmt an einer Müttergenesungskur teil. "Drei Wochen mit dem richtigen Konzept können Welten verändern", wirbt Gesa Schumacher für eine großzügige Bewilligung von Mütter- und Mütter-Kind-Kuren.


