Gauck: Aufbau der Demokratie in der ehemaligen DDR braucht noch Zeit
Gauck: Aufbau der Demokratie in der ehemaligen DDR braucht noch Zeit
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Die Menschen aus den alten Bundesländer sollten nach Auffassung des evangelischen Theologen Joachim Gauck bei ihren Kontakten zu ehemaligen DDR-Bürgern auch demokratische Verhaltensweisen vermitteln. An Beispielen aus der alltäglichen Praxis könnten Schüler oder Mitglieder von Betriebsräten die demokratischen Strukturen in Schulen und Betriebe erklären, sagte der frühere DDR-Bürgerrechtler Gauck. Bei einer Tagung der Politischen Akademie in Tutzing warnte der ehemalige Leiter der nach ihm benannten Behörde für die Stasi-Unterlagen die Westdeutschen vor Überheblichkeit bei der Mentalität von Ostdeutschen.
Nach der jahrzehntelangen politischen Entmündigung durch das totalitäre Regime in der DDR bräuchten die Menschen in den neuen Bundesländern noch Zeit, um sich in einem demokratischen und rechtsstaatlichen System zu recht zu finden. Die Mehrzahl der PDS-Wähler stimme nach Beobachtung Gaucks für diese Partei nicht aus politischer Überzeugung, sondern aus Gewohnheit und "Anhänglichkeit an das alte System".
Das DDR-Regime habe nicht nur einzelne Menschen zu Opfern gemacht, sondern auch grundlegende politische, kulturelle, rechtliche und regionale Strukturen zerstört, sagte Gauck. Bei der friedlichen Revolution 1989 seien viele DDR-Bürger deshalb in erster Linie für die Freiheit für ihre jeweilige Region und Bundesland eingetreten.
Keine Gesellschaft sei jedoch gegen Diktaturen gefeit, betonte Gauck in seinem Beitrag zum Thema "Totalitäre Regime und ihre Opfer" Während der NS-Zeit habe es auch in allen westdeutschen Städten und Dörfern vom Nationalismus begeisterte Bürgermeister oder Ortsgruppen-Führer gegeben. Das große menschliche Leid der Opfer verbiete einen "nostalgischen Blick" auf totalitäre Regime wie in der damaligen DDR. Millionen von Menschen, die durch Kriegshandlungen oder durch Flucht und Vertreibung ums Leben kamen, seien der verbrecherischen Politik der Diktatoren Hitler und Stalin zum Opfer gefallen.


