Abschied vom Schutzengel
Abschied vom Schutzengel
Zentrum für außergewöhnliche Museen (ZAM) in München wird geschlossen (Korrespondentenbericht) (mit Bild)
Von Rieke C. Harmsen
Selbst in den aufgeklärten 1980er Jahren werden sich die Münchner gewundert haben, als der Sammler Manfred Klauda ganz in der Nähe des Viktualienmarktes das erste Nachttopf-Museum der Welt eröffnete. Mit seinen über 9.000 Nachttöpfen erwirkte der bizarre Sammler sogar einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde.
Eine krude Mischung zeigte Klauda in seinem "Zentrum für außergewöhnliche Museen" (ZAM): Wertvolle handgefertigte Tretautos, kitschige Schutzengel aus Porzellan, Osterhasen aus Stoff und Karton, Holz und Plastik, viele hundert Parfüm-Flacons und schließlich Memorabilien und Möbelstücke der Kaiserin Elisabeth. Nun ist plötzlich Schluss: Am 30. Juni soll das Museum geschlossen werden.
"Die Zeiten sind schlecht für ein privat geführtes Museum", erklärt Museumsleiterin Jutta Laskowski-Klauda auf epd-Anfrage. Ihr Mann Manfred Klauda, der das Museum begründet habe, sei "Motor der Sammlung" gewesen. Nach seinem Unfalltod vor fünf Jahren aber habe die "Seele" des Museums gefehlt. Dies und die hohe finanzielle Belastung seien der Grund gewesen, das Zentrum nun zu schließen.
Die Tretauto-Sammlung wurde verkauft, die meisten anderen Stücke sollen aber im Familienbesitz verbleiben. In den nächsten Wochen gilt es für Besucher nun, Abschied zu nehmen von bizarren, aber auch überaus wertvollen Ausstellungsstücken - darunter Parfüm-Flacons von Fabergé, Lalique oder Chanel, den Kinderschuhen aus Wachstuch oder einem Hermelin-Umhang von Kaiserin Elisabeth, aber eben auch den Nachttöpfen und Bourdalous.
Ein Fortbestehen des Museums ist nicht in Sicht: "Bei der Stadt München will ich nicht hausieren gehen", sagt Laskowski-Klauda. Geld verdienen könne man ohnehin nicht mit einem solchen Museum, das jährlich rund 25.000 Menschen besuchen. Nur der Verleih einzelner Sammlungsstücke für Sonderausstellungen sei etwas lukrativer gewesen. Im Juni geht es also ans Kisten packen. Die Nachttöpfe werden nicht mit auf die Reise gehen: Sie sollen bei einer spektakulären Aktion verkauft werden.
Das Zentrum für außergewöhnliche Museen (ZAM) in der Westenriederstr. 41 ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Informationen unter www.zam-museum.de.
Foto per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b050710.
Achtung: Ab sofort können Sie die Fotos direkt im Internet herunterladen unter !


