Grenzstein wird gewichtiges Schaustück

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Grenzstein wird gewichtiges Schaustück

Bauernfamilie half bei der Landesausstellung "500 Jahre Pfalz-Neuburg" (Korrespondentenbericht)

Von Susanne Hassen

Wenn beim Rübenhacken das Kreuz wehtat, erinnert sich Altbäuerin Ingrid Ritzenberger, dann war der große Grenzstein gerade recht, um sich drauf auszuruhen. Nun wird das Fünf-Zentner-Trumm aus dem Kronhof bei Polsingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zu einem gewichtigen Ausstellungsstück der Bayerischen Landesausstellung "Von Kaisers Gnaden! 500 Jahre Pfalz-Neuburg", die am 3. Juni in Neuburg an der Donau eröffnet wird. So viel Beachtung hätte ihm niemand zugetraut.

Im Jahr 1535 wurde der 1,70 Meter große Stein nahe am Kronhof errichtet. Er sollte einen Grenzstreit schlichten, der sogar mit Handgreiflichkeiten ausgetragen wurde. Das Dorf Polsingen lag auf markgräflich-ansbachischem Gebiet, Teile seiner Flur jedoch gehörten zu Graisbach und das wiederum zum 1505 gegründeten Herzogtum Pfalz-Neuburg. Schon 1502 waren die Graisbacher mit "200 Gesellen" nach Polsingen vorgerückt. Zehn Mann ließen sie als Besatzungstruppe zurück. Erst drei Jahrzehnte später beendete der Stein den Hader.

So blieb es bis 1806, als beide Territorien zu Bayern kamen und die Grenze fiel. Von den sechs Grenzsteinen, die damals noch in der Region standen, ist der vom Kronhof als Einziger original erhalten. "Ein Glücksfall", freut sich Ausstellungsmacherin Suzanne Bäumler vom Haus der Bayerischen Geschichte. Denn als der Stein mit dem gut erhaltenen Pfalz-Neuburger Wappen im vorigen Jahrhundert Straßenbauarbeiten weichen musste, rettete ihn die Bauernfamilie und stellte ihn geschichtsbewusst im Hof auf.

Dort wurde das Haus der Bayerischen Geschichte auf der Suche nach regionalen Exponaten schließlich fündig. Kronhofbauer Armin Schreiner ließ sich überzeugen und lieh ihn den Ausstellungsmachern aus. Wenn die Landesausstellung im Oktober ihre Pforten schließt, wird der Grenzstein nach Polsingen zurückkehren. Diesmal "an einen schönen Platz im Dorf", sind sich Bürgermeister Hans-Werner Baumgarten und der Kronhofbauer einig.

Die Landesausstellung im Neuburger Schloss erinnert an das von 1505 bis 1806 bestehende Fürstentum Pfalz-Neuburg, das durch den Repräsentationswillen des Herzogs Ottheinrich zu einer der glanzvollsten Residenzen Europas wurde. In den Leihgaben aus ganz Europa, darunter wertvolle Wandteppiche, Rüstungen und Bilder, spiegelt sich die ruhmvolle Vergangenheit. Die Ausstellung ist vom 3. Juni bis 16. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Informationen unter www.hdbg.de.

(Artikel vom 24.05.2005)