Fürstenglanz für einen Sommer
Fürstenglanz für einen Sommer
Bayerische Landesausstellung "500 Jahre Pfalz-Neuburg" eröffnet (Korrespondentenbericht)
Von Thomas Greif
Er war ein Büchernarr und mischte eigenhändig geheimnisvolle Kräuterelixiere zusammen. In Jerusalem ließ er sich am Heiligen Grab zum Ritter schlagen. Sein ungebremster fürstlicher Repräsentationsdrang führte sein kleines Herzogtum geradewegs in den Staatsbankrott. Pfalzgraf Ottheinrich (1502-1559) gehört zu den schillernsten Persönlichkeiten der deutschen Renaissance. Ihm vor allem ist die Bayerische Landesausstellung "Von Kaisers Gnaden! 500 Jahre Pfalz-Neuburg" gewidmet.
Entstanden war das junge Herzogtum anlässlich der Schlichtung eines Familienkraches zwischen den pfälzischen und altbaierischen Wittelsbachern. Zur Beendigung des blutigen Landshuter Erbfolgskrieges hatte Kaiser Maximilian am 30. Juli 1505 in seinem "Kölner Spruch" die Bildung eines neuen Territoriums, der "Jung-Pfalz" mit dem Hauptort Neuburg an der Donau verfügt. Die pfälzischen Kurfürstensöhne Ottheinrich und Philipp waren damit standesgemäß versorgt. 1522 übernahmen sie die Regentschaft in den verstreuten Besitzungen zwischen Donau, Naab und Vils. Vor allem Ottheinrich verwendete all seinen Ehrgeiz darauf, der neuen Hauptstadt fürstlichen Glanz zu verleihen.
Für den historischen Augenblick von ein paar Jahrzehnten strahlte der Neuburger Hof weit über die Grenzen des kleinen Fürstentums hinaus. Das Neuburger Schloss wurde zu einer Renaissancefeste der Schönen Künste. Unter anderem entstand um 1540 die Schlosskapelle, die als erster Kirchbau überhaupt den Einfluss der reformatorischen Theologie auf die Architektur erkennen lässt - die erste evangelische Kirche der Welt, hatte sich doch Pfalzgraf Ottheinrich unter des Einfluss des Nürnberger Reformators Andreas Osiander Luthers neuer Lehre zugewandt. Die Reformation hatte hier freilich keinen Bestand: Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Herzogtum rekatholisiert.
Im Laufe von gut 500 Jahren haben sich vielerlei Pretiosen aus jener Zeit in alle Welt verflüchtigt - um nun für einen Sommer wieder an Ort und Stelle versammelt zu sein. "Wir mussten die Schätze nur noch sinnreich ordnen und mit Texten versehen", sagte Professor Claus Grimm, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, zur Eröffnung der Ausstellung. Die rund 400 Exponate stammen unter anderem aus Museen in Wien, Paris, Chicago und Washington. Unter ihnen sind unschätzbare Kunstgegenstände wie ein vollständiger Reiterharnisch von Kaiser Maximilian I., eine im Auftrag Ottheinrichs geschaffene Astronomische Uhr, zimmergroße Wandteppiche oder einer von weltweit zwei existierenden Eisengussöfen des 16. Jahrhunderts.
In einer aufwändigen Präsentation, die mehr noch als in vergangenen Landesausstellungen auf visuelle Eindrücke setzt, wird der Besucher durch die Geschichte des Herzogtums geleitet. Ausgangspunkt ist ein Original des wittelsbachischen Hausvertrages von Pavia von 1329. Vier Türme, denen jeweils Stadtmodelle der Residenzorte beigegeben sind, symbolisieren die vier wittelsbachisch-altbaierischen Herzogtümer des 15. Jahrhunderts. Eine dramatisch beleuchtete Waffenkammer, die von blutroten Digital-Textbändern mit Schlachtenbeschreibungen durchzogen wird, steht für den Landshuter Erbfolgekrieg. In einer Reihe von kleineren Schatzkammern schließlich werden Ottheinrichs kulturelle Vorlieben von der Hofmusik bis zur Alchimie erläutert. Sogar den Bankrott des Fürsten, der 1544 die Regierung an die Landstände übergeben musste, können die Besucher sehr anschaulich nacherleben - mittels eines plastischen Schuldenberges aus Zinsbriefen.
Die Ausstellung, die noch bis zum 16. Oktober zu sehen ist, wird von einem reichhaltigen Kulturprogramm aus Konzerten, Theaterstücken, Vorträgen und Festen umrahmt. Für einen unübersehbaren Akzent im Neuburger Stadtbild sorgte pünktlich zum Ausstellungsbeginn der Nürnberger Aktionskünstler Otmar Hörl: Er drappierte Häuser und Plätze mit 200 bunten Steckenpferden aus Plastik - in Anknüpfung an das Stadtwappen, das die beiden zunächst noch unmündigen Fürsten Ottheinrich und Philipp zeigt, im Knabenalter und mit Steckenpferden. Nähere Informationen unter www.pfalzneuburg.hdbg.de.


