"In der Vielfalt zuhaus"

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

"In der Vielfalt zuhaus"

Rekordbesuch bei ökumenischem Bodensee-Kirchentag

Einen Rekordbesuch hat der ökumenische Bodensee-Kirchentag am Wochenende im schweizerischen St. Gallen verzeichnet. Mehr als fünftausend Menschen erlebten unter dem Kirchentags-Motto "In der Vielfalt zuhause" bei 99 Veranstaltungen, wie vital und vielfältig das Kirchenleben, aber auch das Engagement von Christen in der Gesellschaft sein kann. Alle zwei Jahre findet dieses ökumenische Treffen, das 1984 von Lindauer Christen begründet worden war, in einem der drei Seeanrainerländer, Schweiz, Österreich und Deutschland statt.

So wie bei einem großen nationalen Kirchentag bot sich in St. Gallen den Besuchern die Möglichkeit, ganz verschiedene Formen von Gottesdiensten, Gebeten und Musik zu erleben. Dabei ging es auch um die Frage, welche Kirche die Zukunft braucht, wie die Kirche neue Wege finden kann, um die Menschen zu erreichen und wie das Zusammenleben in der interreligiösen Vielfalt aussehen kann. Aber auch die Themen des konziliaren Prozesses, Gerechtigkeit, Frieden und Mitwelt wurden behandelt, unter anderem von Professor Ulrich Duchrow aus Heidelberg von "Kairos Europa". Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern kam ebenso zur Sprache wie die Lebenssituation der Menschen in vielen Ländern des Südens.

Viel Aufmerksamkeit bekam die ökumenische Pfarrgemeinde Halden in St. Gallen. Sie besteht seit 25 Jahren und wird gemeinsam von einem evangelischen und einem katholischen Pfarrer geleitet. Es gibt nur eine Kirche, in der die evangelischen, katholischen und ökumenischen Gottesdienste gefeiert werden. Alle Gemeinde-Gruppen sind ökumenisch ausgerichtet. Interreligiöse Gebete haben ebenfalls ihren Platz in der Pfarrei.

"Die Ökumene ist in St. Gallen eine Selbstverständlichkeit", betonte Dölf Weder, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche im Kanton St. Gallen. Mit dem katholischen Bischof Ivo Führer, der im April diesen Jahres in den Ruhestand gegangen ist, habe die Ökumene einen starken Befürworter gehabt.

Seit fünf Jahren ist in der evangelischen Kirche in St. Gallen ein partizipativer Prozess in Gang, der Visionen der "St. Galler Kirche 2010" entwickelt und unter dem Motto "Nahe bei Gott – nahe bei den Menschen" steht. "Die Kirche wird in Zukunft sicher anders aussehen, aber ich gehe mit großer Zuversicht in die Zukunft", betonte Dölf Weder.

(Artikel vom 08.05.2006)