Manneskraft für Lau

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Manneskraft für Lau

Freiwilligenarbeit liegt bei jungen Männern voll im Trend (Korrespondentenbericht) (mit Bild)

Von Susanne Schäffer

Die Klagen über schwindende Zivi-Zahlen klingen einem noch im Ohr, da stellen die sozialen Einrichtungen einen Boom männlicher Bewerber im Freiwilligen Sozialen Jahr fest. Einer davon ist Philipp Melander. Nachdem er vom Wehrdienst ausgemustert wurde, arbeitet er als freiwilliger Helfer am Empfang im Augustinum Ammersee. Er betreut persönliche Anfragen von Wohnstifts-Bewohnern, nimmt Anrufe entgegen, regelt den Postverkehr, Abrechnungen und wacht über die Schlüsselausgabe.

Einen sozialen Beruf habe er nie ergreifen wollen, sagt Melander. Nach dem Abschluss der Wirtschaftsschule hatte er eine Ausbildung zum Groß- und Aussenhandelskaufmann absolviert. Keiner der Azubis wurde übernommen. Als er auch nach längerer Suche keine Stelle finden konnte, sei das FSJ genau die richtige Entscheidung gewesen, sagt der 23-Jährige. Beruflich hat er inzwischen eine kleine Kursänderung geplant: Nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr will er erst mal sein Fachabitur machen und dann Betriebswirtschaft studieren.

Philipp Melander ist einer von 670 jungen Männern, die in Bayern derzeit im Freiwilligen Sozialen Jahr arbeiten und damit über 25 Prozent aller Teilnehmer stellen. 1995 waren es nur 7,6 Prozent. Auch das Augustinum, einer der Träger des Freiwilligen Sozialen Jahres, spürt diesen Trend. 32 junge Männer leisten in den bundesweiten Einrichtungen des Sozialunternehmens derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr ab. Vor zehn Jahren waren es dort lediglich fünf.

Das FSJ, das seit 2002 als Alternative zum Zivildienst absolviert werden kann, bietet viele Vorteile: Neben der Sozialversicherung und finanzieller Absicherung erhalten FSJler eine intensive pädagogische Begleitung und Seminare zu berufsnahen Themen wie Zeitmanagement oder Stressbewältigung.

Die Einsatzbereiche sind vielfältig und haben längst das enge Attribut "sozial" gesprengt: Veranstaltungstechnik, Kultur- oder Sporteinrichtungen eröffnen gerade jungen Männern ganz neue Perspektiven. "Auch von Seiten der Einrichtungen wächst das Interesse an männlichen FSJlern, weil sie mit ihnen ganz andere Tätigkeitsbereiche abdecken können", stellt Katrin Halbig fest, im Augustinum verantwortlich für das FSJ. Ein wichtiger Bereich, der von der Mitarbeit junger Männer besonders profitiere, sei beispielsweise die Betreuung von Jungen im pädagogischen und heilpädagogischen Bereich.

Vielleicht hat auch die höhere Flexibilität der Einrichtungen dazu beigetragen, dass immer mehr junge Männer ins Freiwillige Soziale Jahr gehen. Im Augustinum beispielsweise beginnen zweimal jährlich FSJ-Jahrgänge, und zwar jeweils im September und im Februar. Trotz der Befürchtungen von Sozialministerin Christa Stewens, dass zu wenig Einsatzstellen zur Verfügung stehen, sind in den 145 Einsatzstellen der über das Bundesgebiet verteilten Einrichtungen des Augustinum noch Plätze frei. "In der Regel hat ein Bewerber nach vier Wochen Klarheit über seine Einsatzstelle", so Katrin Halbig.

Dass im FSJ von Philipp Melander bereits der Endspurt begonnen hat, gefällt seinen Vorgesetzten gar nicht. Bis September haben sie noch Zeit, einen Nachfolger zu finden. Am liebsten hätte sie wieder einen jungen Mann.

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(Artikel vom 20.06.2005)