Der Frieden vor dem großen Krieg
Der Frieden vor dem großen Krieg
Ausstellung feiert 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden (Korrespondentenbericht) (mit Bild)
Von Markus Springer
Vor 450 Jahren schlossen in Augsburg Kaiser Karl V., vertreten durch seinen Bruder Ferdinand, und die katholischen und protestantischen Reichsstände einen Religionsfrieden. Dieser erkannte verfassungsrechtlich die Koexistenz zweier verschiedener Glaubensrichtungen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Zum ersten Mal ließ die staatliche Ordnung unterschiedliche Glaubensbekenntnisse gleichberechtigt gelten.
"Als Frieden möglich war - 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden": Unter diesem Titel würdigt Augsburg im Jubiläumsjahr vom 16. Juni bis 16. Oktober den Friedensschluss mit einer umfangreichen Ausstellung im Maximilianmuseum. Mehr als 350 Exponate, größtenteils Leihgaben renommierter Museen, dokumentieren die Bedeutung des Gesetzes auf dem langen, konfliktbeladenen Weg Deutschlands und Europas zu politisch-religiöser Toleranz.
Kernpunkt des Augsburger Religionsfriedens war der Grundsatz "cuius regio, eius religio" - wessen Herrschaftsgebiet, dessen Religion. Damit war das Projekt Kaiser Karls gescheitert, im Reich einheitliche Religionsverhältnisse herzustellen. Nun hatten die Territorialherren die Freiheit, für sich und ihre Untertanen über die Konfession zu entscheiden. Und die hatten sich danach zu richten - oder das Land zu verlassen. Dieser Prozess der Konfessionalisierung prägt die Kulturlandschaften Deutschlands bis heute. Ein Nebeneinander der Konfessionen gab es nur in einigen Reichsstädten. Zum Beispiel in Augsburg.
Sieben Monate hatte man in der Stadt verhandelt, in der 25 Jahre zuvor die protestantische Partei ihr Bekenntnis dem Kaiser vorgetragen hatte: die Confessio Augustana - das Augsburgische Bekenntnis. Am 25. September 1555, war das Gesetz unter Dach und Fach. Mit dem Religionsfrieden begann eine Phase der inneren Ruhe im Reich. Die Fürsten, die den Schmalkaldischen Krieg miterlebt hatten, waren aus persönlicher Erfahrung politisch kompromissbereit. Sie stellten den äußeren Frieden über das Ringen um religiöse Einheit oder Wahrheit.
Ende des 16. Jahrhunderts wandelte sich das Klima. Konfessionelle Interessen wurden immer aggressiver durchgesetzt. Am Ende stand der Dreißigjährige Krieg, der Deutschland verwüstete. Im Westfälischen Frieden 1648 - geschichtlicher Endpunkt der Ausstellung - schloss man bewusst an den Augsburger Religionsfrieden an. Seit 1650 feiert Augsburg das Ende der Unterdrückung der evangelischen Konfession und die Einführung der Parität im öffentlichen Leben mit dem Augsburger Hohen Friedensfest - bundesweit der einzige gesetzliche Feiertag, der auf eine einzelne Stadt beschränkt ist.
Die Besucher der Ausstellung erwartet eine Vielzahl hochkarätiger Exponate. Aus dem Wiener Hauptstaatsarchiv kommt die Originalschrift des Augsburger Religionsfriedens, der Pariser Louvre sendet eine Büste von Papst Urban VIII. von Gian Lorenzo Bernini. Aus Lausanne konnte man die "Bartholomäusnacht" ausleihen, ein Gemälde, das die blutige Hinrichtung von tausenden Hugenotten in Paris darstellt. Das Metropolitan Museum New York gibt einen eisernen Feldharnisch Kaiser Ferdinands I. von 1549.
Zahlreiche Themenführungen werden angeboten. Für Kinder gibt es ein "Erlebnismuseum", in dem man in die Kostüme von Fürsten oder Soldaten des 16. Jahrhunderts schlüpfen kann. Gemälde der Ausstellung werden zu riesigen Puzzle-Spielen, und in Fühlkästen dürfen die Kinder anfassen, was sonst hinter Vitrinenglas bleibt.
Die Ausstellung ist dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 19 Uhr geöffnet, donnerstags bis 21 Uhr und Samstag und Sonntag von 10 bis 19 Uhr. Weitere Informationen unter www.augsburger-religionsfrieden.de.
Foto per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b050740.
Achtung: Ab sofort können Sie die Fotos direkt im Internet herunterladen unter !


