Der Rokoko-Mann

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Der Rokoko-Mann

Das Herz des Ansbacher Mesners Holger G. Lang schlägt für das galante Säculum (Korrespondentenbericht) (mit Bild)

Von Frank Wairer

Der Ansbacher Holger G. Lang lässt sich nicht lange bitten, um in das historische Kleid eines Zeremonienmeisters am absolutistischen Hofe zu schlüpfen. Das Gewand des Hofmarschalls kleidet ihn gut, besser als schwarzes Hemd und schwarze Hose, in denen der Mesner zuerst erschienen ist. Und saß er anfangs in seinem kargen Büro, einem dem Rokoko gänzlich unverwandten Raum, führt ihn der Fototermin in eine liebliche Umgebung: zu den Putten im Innenhof des Gemeindehauses der Ansbacher St.-Johannis-Kirche.

Die Putten sind aus dem Baumarkt. Das Kostüm trägt man einmal im Jahr bei den Rokoko-Festspielen, die vom 1. bis 6. Juli in Ansbach stattfinden. Einerseits ist also alles nur Kulisse. Andererseits wirkt Holger G. Lang als Rokoko-Mann so wunderbar echt. Gern hätte er damals gelebt, sagt der 39-jährige Vorsitzende der Fachgruppe Kirchner in Bayern, Diplom-Theologe und Katechet, gebürtige Ansbacher und Intendant der hiesigen Rokoko-Festspiele.

"Alldiweilen, so seind es nunmehro unsere Aufgabe, Euch in eine andere Zeit, ein galantes Säculum einzuführen..." Diesen Satz zitiert Lang vorab aus dem Protokoll des Hofmarschalls. Er wird ihn dieser Tage noch häufiger sprechen.

Die Ansbacher Rokoko-Tage gibt es seit mehr als 50 Jahren. Die Veranstaltung des städtischen Kultur- und Touristikamtes wird ausgeführt von den vielen Ehrenamtlichen im Heimatverein. Sie wollen der einstigen Hohenzollernresidenz Ansbach ihr markgräfliches Erbe bewahren.

Holger G. Lang wäre Pfarrer geworden, wenn die Ergebnisse des zweiten Examens - nach bestandenem Theologiestudium und dem Vikariat - es ermöglicht hätten. So aber wurde er Mesner wie sein Vater, zog in die Wohnung seiner Kindheit, und wenn er "sein" Gemeindehaus in der Schaitberger Straße für die Examenskandidaten der Landeskirche aufsperrt, dann kommt ihn sein Beruf ganz schön hart an. Das erzählt er freimütig ohne Schnörkelei.

Einer wie Lang vermag seine Rolle in der Gesellschaft selber zu definieren, und zurzeit, so scheint es, probt er noch. Er ist jetzt im siebten Jahr künstlerischer Leiter der Rokoko-Festspiele. "Ein Idealtraum wäre es, einmal nach Amerika zur Steubenparade zu gehen", sagt Lang. Die historische Uniform dafür hängt neben einigen anderen Kostümen im Schrank. Informationen zu den Festspielen unter www.rokoko-festspiele.de.

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(Artikel vom 01.07.2005)