Beeindruckt und schockiert
Beeindruckt und schockiert
Afrikanischer Pfarrer und seine Frau lebten fünf Jahre in Deutschland
Unfassbarer Reichtum, riesige Einkaufszentren, schnelle Autos und Züge, Telefon und Internet sowie hochmoderne Krankenhäuser zählen zu den positiven Eindrücken, die zwei Missionare aus Tansania während ihres Deutschlandaufenthaltes gesammelt haben. "All das macht das Leben einfacher", erzählen Jennifer und Mwange Ole Ndoponoi beeindruckt. Schockiert sind die beiden afrikanischen Christen jedoch darüber, dass ältere Menschen hierzulande zu wenig respektiert werden und Kinder zu viele Freiheiten haben. Und die Kirche müsse sich anstrengen, "wenn sie hier überleben will".
Das Paar lebte und arbeitete fünf Jahre im evangelischen Missionswerk Neuendettelsau sowie in der Kirchengemeinde Wetzhausen in Nordbauern. Nun kehrten Pfarrer Ndoponoi und seiner Frau Jennifer in ihre Heimat zurück. In der bayerischen evangelischen Kirche sind laut Missionswerk derzeit drei Pfarrer aus Tansania zu Gast, 16 kirchliche Mitarbeiter aus Bayern leben in Afrika.
Jennifer und Mwange Ole Ndoponoi haben sehr große kulturelle Unterschiede festgestellt, so auch bei der Kleidung. "Manche Menschen sind fast nackt, und man nennt das Mode." Am meisten geschockt habe sie das individuelle Leben. "Individualismus als Lebensstil ist bei manchen Menschen so beliebt, dass sie nicht einmal ihre Nachbarn kennen", beobachteten sie. In Afrika gelte hingegen das Prinzip "Miteinander leben und einander helfen". Es sei schlecht für eine Gesellschaft, wenn sich ältere Menschen vernachlässigt fühlten. "Als Pioniere der Weisheit könnten sie Mut zusprechen," so die Gäste. Wenn Kinder sich schlecht verhalten, sollten sie ihrer Meinung nach von Eltern oder Lehrern auch bestraft werden.
Ein beklagenswertes Bild zeichnet Pfarrer Ndoponoi von der Kirche in Deutschland. "Das Bild der Kirche verschwindet langsam, während der Islam und der Buddhismus überraschend die Herzen von vielen Menschen besetzen!". Die meisten Gottesdienste seien mitunter wirklich "sehr langweilig", stimmen sie mit vielen Jugendlichen überein. Es scheine so, als ob die Kirche "schlafen" würde.
Der Prediger und seine Frau empfehlen deshalb, in Gottesdiensten mehr zu singen, zu klatschen und kraftvolle Predigten. In Tansania, wo die evangelische Kirche rund 2,5 Millionen Mitglieder hat, könne ein Sonntagsgottesdienst bis zu zwei Stunden dauern, ein Gottesdienst mit Hochzeit oder Konfirmation sogar vier bis fünf. Damit die Kirche wieder wachse, dürfe der Glaube nicht versteckt, sondern müsse öffentlich mit anderen gelebt werden.


