Bischof Müller fordert NPD-Verbot

Meldung lang | epd - Landesdienst Bayern

Bischof Müller fordert NPD-Verbot

Ökumenische Aktionen gegen Neonazis angekündigt

Ein Verbot der rechtsextremen NPD hat der Regensburger katholische Bischof Gerhard Ludwig Müller gefordert. Auf einer Demonstration gegen Neonazis in Regensburg verlangte Müller am Sonntag vor 2.500 Menschen die Mobilisierung aller gesellschaftlichen Kräfte, um die Hasspropaganda von rechts und die Schändung des Andenkens ermordeter Juden zu unterbinden. Bei einem Gottesdienst im Dom hatte er zuvor die Meinung vertreten, das Bundesverfassungsgericht könne das Verbot von Parteien, die dem Nationalsozialismus nahe stünden, nicht "abstrakt und geschichtsvergessen" diskutieren: "Es geht doch um den Schutz des Grundgesetzes vor seinen Feinden und nicht umgekehrt."

Eine Woche zuvor, am 17. Juni, hatten 600 Neonazis aus ganz Bayern unter Parolen wie "Rückführung statt Integration" ein "Volksfest" auf einer Regensburger Donauinsel gefeiert. Die Stadt hatte aufgrund der fehlenden Erfolgsaussichten darauf verzichtet, Rechtsmittel gegen die Zusammenkunft einzulegen, aber detaillierte Auflagen gemacht. Der Regensburger katholische Bischof kündigte nun für den Fall weiterer neonazistischer Treffen in Regensburg machtvolle, gut vorbereitete Gegenaktionen wie etwa einen ökumenisches Gottesdienst auf dem Domplatz an.

Anlass der Demonstration gegen Rechtsextreme am Sonntag war unter anderem der hundertste Geburtstag des in den letzten Kriegstagen 1945 von den Nazis gehenkten Dompredigers Johann Maier. Weil er auf einer Frauendemonstration die kampflose Übergabe der Stadt an die heranrückenden amerikanischen Truppen gefordert hatte, um Regensburg die Zerstörung durch Bomben zu ersparen, war er von einem eilig zusammengetretenen Standgericht zum Tod verurteilt worden. An der Kundgebung an Maiers Hinrichtungsstätte beteiligten sich neben Parteien und Gewerkschaften auch die evangelische Kirche und die Jüdische Gemeinde.

(Artikel vom 25.06.2006)