Heimspiel in Oberammergau

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Heimspiel in Oberammergau

Christian Stückl bringt "König David" auf die Passionsbühne (Korrespondentenbericht) (mit Bild)

Von Markus Springer

Der Münchner Volkstheater-Chef Christian Stückl ist zur Halbzeit zwischen zwei Passionsspieljahren in seine Theater- und Seelenheimat Oberammergau zurückgekehrt. Noch wird hinter der Bühne des Passionstheaters an dem Bühnenbild gesägt und geschraubt. Eine "Blutspur aus rotem Sand" zieht durch das Geschehen von "König David - ein biblisches Schauspiel mit Musik", das am 22. Juli Premiere hat.

Christian Stückl, seit 2002 Intendant des Münchner Volkstheaters, ist ein über Bayern hinaus beachteter Theater-Spross des oberbayerischen Passionsspielorts und für ein Heimspiel zurückgekehrt in einen Kreis von Freunden, Verwandten und bewährten Mitstreitern. 2005 - das bedeutet Halbzeit zwischen zwei Oberammergauer Passionsspiel-Jahren und für den 43-jährigen Theatermann die Gelegenheit, "in der Dorfszene drinzubleiben", um dort zu arbeiten, wo er früher schon so viel Theater gespielt hat.

Ob Laienschauspieler oder Laienmusiker, für Stückl und seinen Komponisten Markus Zwink bedeutet das alttestamentliche Sommerstück die Gelegenheit, aktive Nachwuchspflege zu betreiben. Man wolle im nächsten Passionsspieljahr 2010 Theater auf möglichst hohem Niveau abrufen können, sagt Stückl. Immerhin knapp zehn Prozent der spielberechtigten Oberammergauer sind auch diesmal dabei: Mehr als 400 Mitwirkende stehen beim "König David" auf der offenen Passionsbühne - etwa halb so viele, wie beim Passionsspiel.

Eine völlige Neuerung ist das alttestamentliche Spiel im "Fünferjahr" im traditionsreichen Oberammergau, dessen Passionsspiel auf ein Gelübde im Jahr 1633 zurückgeht, freilich nicht: Stückl hat für seinen "König David" auf alte Vorlagen und die alte Tradition der "Kreuzschule" zurückgegriffen. Zuletzt 1905 haben die Oberammergauer einen "David" auf die Bühne gebracht, mit 600 Darstellern und ebenfalls als Vorbereitung auf die nächsten Passionsspiele.

Mitte des 18. Jahrhunderts führten die Oberammergauer Pfarrer, die damals in der Regel die Regie führten, zwischen den Passionsspielen Stücke auf, die den Sinn des Leidens Christi erklären sollten. Das David-Stück von 1905 habe "David auf Jesus hin gedeutet", sagt Stückl, der selbst alle Verweise auf Jesus weggelassen hat und sich ganz dem alttestamentlichen Stoff widmet. "Mich interessiert diese Traumkarriere des David vom Hirtenjungen zum Kriegshelden und von Gott gesalbten König", sagt Stückl. David sei "die größte jüdische Gestalt des Alten Testaments", einer, auf den die Menschen große Hoffnungen setzten, und der am Ende doch schuldig werde, sich als nichts weiter erweise als - ein Mensch.

In Stückls Stück rahmt die Szene, in der David mit Bathseba die Ehe bricht, die anderen Bilder aus dem Leben Davids. "Kaum zum König gekrönt, sündigt er, macht sich schuldig und die messianische Hoffnung zunichte", sagt Stückl. In einer Rückblende geht es in Davids Kindheit zurück. Immer wieder kreist das Stück von da an um die Frage nach dem Gehorsam vor Gott.

In Christian Stückl, der mit nur 25 Jahren Oberammergauer Spielleiter wurde und die Passionsspiele 1990 und 2000 inszeniert hat, verbinden sich das traditionelle Oberammergau und die Welt des zeitgenössischen Theaters. Der gelernte Holzbildhauer stammt aus einer alten Passionsspieler-Familie. "Ich hab' lange geglaubt, dass in der Passion die Rolle des Kaiphas ein Erbhof ist", sagt Stückl. "Mein Großvater war der Kaiphas, mein Vater war der Kaiphas - mit 15 habe ich geglaubt: Ich wird' auch mal der Kaiphas." Stückls Vater Peter ist auch im "David" in einer Hauptrolle mit dabei. Er spielt den Saul.

"Ich bin mit dem Passionsspiel ins Theater hineingewachsen," sagt Stückl, der gern familiär arbeitet und mit Stefan Hageneier (Ausstattung/Bühne) und Markus Zwink (Musik) bewährte Mitstreiter an seiner Seite hat. "König David" in Oberammergau ist für Stückl tatsächlich ein Heimspiel: "Ich mach’ das wirklich gern. Ich merk' da, wie sesshaft ich eigentlich bin. Eigentlich gehöre ich da ganz her."

Vorstellungen am 23., 29. und 30. Juli sowie am 5., 6., 12. und 13. August. Beginn jeweils 20.30 Uhr. Karten von 15 bis 49 Euro im Vorverkauf oder über die Buchungshotline (08822) 923158. Weitere Informationen im Internet unter www.koenig-david.de und www.oberammergau.de.

Foto per ISDN oder E-Mail abrufbar bei epd-bild (München), Telefon 089/12172-140. Bestellnummer: b050960 und b050961.

Achtung: Ab sofort können Sie die Fotos direkt im Internet herunterladen unter !

(Artikel vom 19.07.2005)