Afghanistan als Modellfall für Wiederaufbau
"Shelter Now"-Projektleiter Georg Taubmann lobt internationale Unterstützung - (epd-Gespräch)
Für Afghanistan gibt es nach Einschätzung der christlichen Hilfsorganisation "Shelter Now" trotz wachsender Gewalt gute Aussichten. Nach dem Fall der Taliban-Regierung könne das Land für den Westen sich zu einem Modell für den Wiederbau entwickeln, sagte der Afghanistan-Experte Georg Taubmann und dortige Projektleiter von "Shelter Now" (zu deutsch: Zuflucht jetzt) in einem epd-Gespräch in München. Er war Anfang August 2001 mehrere Monate von den Taliban mit über 20 weiteren Geiseln gefangen gehalten worden.
Neben Häusern, Schulen und Straßen entstehe mit internationaler Unterstützung eine neue politische, gesellschaftliche, soziale und kulturelle Struktur, so der 50 Jahre alte Krankenpfleger aus dem bayerischen Sulzbach-Rosenberg. Taubmann ist seit Anfang der 1980er Jahre in Pakistan und Afghanistan im Einsatz. Es gebe insgesamt eine "unglaubliche" Entwicklung in dem Land, die jedoch nicht so schnell voran komme, wie zunächst erhofft. Auch darin lägen Gründe für anhaltende Unruhen, sagte er.
Für das kommende Jahr kündigte Taubmann ein Shelter-Pilotprojekt "Safran statt Mohn" an. Damit erhielten Bauern eine "echte" Alternative zum Mohnanbau, sagte er. Afghanistan ist nach UN-Angaben weltweit mit fast 80 Prozent des Weltbedarfs der Hauptlieferant von aus Mohn gewonnenen Rohstoffen für die Herstellung von Drogen wie Heroin.
Die Medien berichten über Afghanistan nach Ansicht Taubmanns oft zu negativ. Nach der völligen Zerstörung von Infrastruktur sowie kulturellen Einrichtungen öffne sich das Land, in dem zuvor nur Krieg und Gewalt herrschten. Gefahren gingen jedoch weiter von den Taliban und ihren Verbündeten in einigen Provinzen aus, die gegen den pro-westlichen Kurs der Kabuler Regierung kämpften.
Taubmann, der im November 2001 zusammen mit den anderen Geiseln befreit werden konnte, arbeitet seit 2002 wieder in Afghanistan. Dort hat "Shelter Now" Dörfer für zurückgekehrte Flüchtlinge, Schulen, darutner auch solche nur für Mädchen, gebaut. Daneben betreibt die Hilfsorganisation ein Taubstummen-Zentrum, bietet Englisch- und Computerkurse an und unterstützt die Wasserversorgung.