Linkspartei empfiehlt Bibelstudium für Wahlkämpfer
Linkspartei empfiehlt Bibelstudium für Wahlkämpfer
Pfarrer erntet Beifall für "Zehn Gebote für den Wahlkampf" (Korrespondentenbericht)
Von Wolfgang Lammel
Die "Zehn Gebote für einen fairen Wahlkampf" des Bamberger Pfarrers Hartmut Preß haben bei den politischen Parteien in Deutschland ein wohlwollendes Echo gefunden. Zustimmende Reaktionen auf sein geistliches Merkblatt erreichten den oberfränkischen Theologen auch aus der Bevölkerung. "Die Gebote haben anscheinend die Sehnsucht vieler Menschen nach einem halbwegs anständigen und ehrlichen Wahlkampf ausgedrückt", sagte Preß dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Ausgerechnet von der Linkspartei, der nicht gerade besondere Kirchennähe nachgesagt wird, erhielt Preß die seiner Meinung nach originellste Zuschrift: "Vielleicht sollten Wahlkämpfer hin und wieder in der Bibel lesen", heißt es im Antwortbrief aus dem Berliner Wahlquartier von Gregor Gysi. Gerade in der Bibel seien "die einfachsten Wege für ein friedliches und soziales Miteinander" zu finden, schrieb die Mitarbeiterin von "Die Linke.PDS" nach Bamberg und ergänzte den Brief mit einem Zitat aus den Sprüchen Salomons: " dass du nicht geratest auf den Weg der Bösen noch unter Leute, die Falsches reden "
Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber ließ durch seinen Referenten übermitteln, die zehn Grundsätze enthielten "viele sehr weise und sehr berechtigte Ansprüche an die Führung eines Wahlkampfes", und auch das Referat von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) teilte die Hoffnung, dass die "Wochen des Wahlkampfes vor allem von Vernunft und Sachlichkeit geprägt" sein mögen. Einen "Vorbildcharakter für so manchen Politiker und Medienvertreter" erkannte Sigmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, in den "moralisch-humorvollen Grundsätzen". Ähnlich äußerte sich auch der prominente ZDF-Redakteur und Buchautor Peter Hahne.
Zum Beginn des Bundestags-Wahlkampfs hatte Preß, kirchlicher Spezialist in Sachen Humor, Anfang August seine "Zehn Gebote für den Wahlkampf" veröffentlicht. Darin heißt es mit Blick auf Fernsehauftritte und Meinungsumfragen: "Du sollst nicht der Quote dienen als sei sie dein Gott." Auch warnt der evangelische Pfarrer die politischen Lager davor, die Vorgänger "zu totalen Versagern zu stempeln", die Ideen der anderen zu stehlen oder "mit falschen Versprechen um die Gunst des Wahlvolks zu buhlen". Und das 6. Gebot beginnt mit den deutlichen Mahnung: "Du sollst nicht geil sein nach Macht." Bereits zum Wahlkampf 2002 hatte Preß ein Papier mit zehn Wahlkampf-Geboten in fränkischer Mundart veröffentlicht, das damals vom bayerischen Innenminister Günther Beckstein (CSU) als "Pflichtlektüre für alle Politiker" gelobt wurde.
Quer durch die Republik hatte Hartmut Preß nach Zeitungsberichten und Rundfunkinterviews auch mit seiner aktuellen "hochdeutschen" Fassung zahlreiche Reaktionen auch aus der Bevölkerung erhalten. Der Inselpastor von Hiddensee in Angela Merkels Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern zitierte den Dekalog seines bayerischen Kollegen im Gottesdienst, ein nach eigenen Worten "Hartz-IV-Geschädigter" aus Augsburg orderte den Text ebenso wie eine Gruppe von Gewerkschaftlern und ein Manager.


