Erfolg im dritten Anlauf

Korrespondentenbericht | epd - Landesdienst Bayern

Erfolg im dritten Anlauf

In Gebsattel bei Rothenburg entsteht Bayerns jüngster Kirchenbau (Korrespondentenbericht) (mit Bild)

Von Thomas Greif

Über die Schließung großstädtischer Kirchen wird seit Jahren debattiert und gestritten. Dass dennoch in Bayern pro Jahr im Schnitt eine neue evangelische Kirche gebaut wird, übersieht man da leicht. In Gebsattel bei Rothenburg ob der Tauber steht am Sonntag, 18. September, um 13 Uhr die Grundsteinlegung für ein neues Gotteshaus an.

Bayerns jüngster evangelischer Kirchbau entsteht mitten in der historisch ältesten und dichtesten evangelischen Kirchenlandschaft des Freistaates. Die Ansbacher Markgrafen, die Reichsstädte, die Reichsritter - sie alle schlossen sich im 16. Jahrhundert der Reformation an. Zu den wenigen Untertanen, die katholisch blieben, gehörten die des Benediktinerstiftes Komburg bei Schwäbisch Hall. Und die saßen unter anderem in Gebsattel, einem Dorf vor den Toren von Rothenburg ob der Tauber.

Die Evangelischen, die seit den 1960er Jahren von einem eigenen Pfarrer betreut wurden, behalfen sich über Jahrzehnte mit einem Dauer-Provisorium: Sie hielten ihre Gottesdienste als Mieter der Städtischen Hospitalstiftung in der Kapelle des einstigen reichsstädtischen Siechenkobels St. Leonhard, die gut zwei Kilometer von Gebsattel entfernt liegt. 1963 und 1986 scheiterten erste Anläufe zur Errichtung eines neuen Gotteshauses: Mal wurden die Raumbedürfnisse der sich stetig entwickelnden Gruppenarbeit nicht genügend berücksichtigt, mal entwickelten sich die Wohnsiedlungen in die falsche Richtung. Ein üppiges Raumprogramm mit Kirche, Gemeindezentrum und Pfarrhaus wurde 1994 von der Landeskirche genehmigt: "Aber dann waren wir in München auf Eis gelegt", rekonstruiert Pfarrerin Andrea Rößler aus den umfangreichen Kirchbauakten.

Nach ihrem Dienstantritt 1997 tauschte die Gemeinde den Bauplatz an der Peripherie gegen ein Grundstück in der Ortsmitte. Die Bedürfnisse der Gemeinde wuchsen indes von Jahr zu Jahr: Bis heute umfasst die Kirchengemeinde in Gebsattel rund 820 Personen und etwa 13 Gruppen, die sich einen zum Pfarrhaus gehörigen Saal teilen: "Und die Besenkammer muss als Küche herhalten", klagt die Pfarrerin.

2000 endlich kam das Vorhaben richtig in die Gänge. Der Rothenburger Architekt Andreas Burkhart fertigte einen Entwurf für ein Gemeindezentrum aus Kirche samt Gruppenräumen, den Landratsamt und Landeskirchenamt genehmigten. Seit einigen Wochen wird am Bahnhofsweg in Gebsattel bereits fleißig gebaut. Von den geschätzten Gesamtkosten von rund 915.000 Euro trägt 400.000 die Landeskirche, den Rest muss die Gemeinde selbst aufbringen. Sie tut es durch zahlreiche Eigenleistungen oder durch kreative Sammelinitiativen - etwa die Herausgabe von Kochbüchern, von denen das zweite in den nächsten Wochen erscheinen soll.

Nennenswerten Protest hat es nach den Worten der Pfarrerin gegen das Bauprojekt nicht gegeben. "Einige können sich das eben gar nicht vorstellen, im eigenen Dorf eine Kirche zu haben", sagt Rössler. Doch die weiten Wege nach St. Leonhard und die Enge im Gemeindesaal hätten letztlich als überzeugende Neubauargumente gewirkt.

Zwei wichtige Fragen sind indes noch nicht gelöst. Über die Namensgebung der neuen Kirche wird im Kirchenvorstand noch gegrübelt. Und auch auf einen Einweihungstermin will sich die Pfarrerin nicht festlegen - vielleicht 2006, vielleicht 2007.

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(Artikel vom 14.09.2005)