Kirchenräume neu entdecken
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Jahrestagung des Bundesverbandes Kirchenpädagogik in Nürnberg (Korrespondentenbericht)
Von Thomas Greif
Solche Fragen kennt jeder, der anderen Menschen eine Kirche zeigt: Warum hat die Figur einen goldenen Ring über dem Kopf? Wer sind die Leute, die auf dem Bild zusammen essen und trinken? Wieso ist da ein Lamm abgebildet und dort eine Taube?
Während das Grundwissen in Fragen christlicher Kultur abnimmt, steigt in der gleichen Gesellschaft das Interesse an Kirchenräumen. Solche Erfahrungen machen die rund 200 Mitglieder des Bundesverbandes Kirchenpädagogik, dessen Jahrestagung am Freitag in Stein bei Nürnberg stattfand, immer wieder. "Die Leute spüren, dass die Kirche ein besonderer Raum ist, ohne die Religion und ihre Symbole zu kennen", sagt Tessen von Kameke, Pfarrer im niedersächsischen Bad Zwischenahn und Mitglied im Vorstand.
Der vor fünf Jahren gegründete Verband setzt ausdrücklich nicht nur auf die Vermittlung von kunsthistorischen Inhalten, sondern will den "Sinngehalt christlicher Kirchen mit Kopf, Herz und Hand erschließen und einen Zugang zu spirituellen Dimensionen ermöglichen", wie es in einem Thesenpapier heißt. Schließlich seien Kirchen keine Museen, sondern Orte der Begegnung mit Gott, betont Kameke.
Die Kirchenpädagogen, vor allem Religionspädagogen und Pfarrer, haben einen weiten Weg vor sich. Denn vielfach klaffen deren Anspruch und die raue Wirklichkeit auseinander - etwa in der Frage der Öffnungszeiten von Kirchen. Evangelische erkennt man bis heute zumeist daran, dass sie tagsüber geschlossen sind. Für die Kirchenpädagogen ebenso ein Unding wie der Umstand, dass beim Besuch mancher Gotteshäuser - wie etwa der St. Jakobskirche im fränkischen Rothenburg ob der Tauber - Eintritt zu zahlen ist.
Oder etwa die Schriftentische: Eigentlich als einladendes Schaufenster der Gemeinde gedacht, zeigten sie nach Kamekes Worten vielfach nicht mehr als die Frustration des Ortspfarrers, nach dem uncharmanten Motto: "Wenn Sie schon da sind, machen Sie wenigstens keinen Krach."
Das Erlebnis beim Betreten einer Kirche müsse aber ein ganz anderes sein, referierte die Kunsthistorikerin und Buchautorin Margarete Luise Goecke-Seischab aus München: "Aus dem tristen Alltag in die himmlische Herrlichkeit Gottes zu kommen!" Wer sich in der Barockzeit von Engeln an der Stuckdecke und dem Altarbild umgeben sah, fühlte sich Gott nahe. Von heutigen Kirchenbesuchern wundern sich viele nur noch, warum manche Menschen auf den Bildern Flügel haben.


