Der Widerstand junger Deutscher gegen das Nazi-Regime
Der Widerstand junger Deutscher gegen das Nazi-Regime
Ein neues Buch gibt Aufschluss über Motive und Visionen
Von Heinz Brockert
Der Widerstand junger Deutscher gegen die Nazi-Diktatur ist seit dem Erfolg des Filmes "Sophie Scholl - Die letzten Tage" auf neues Interesse gestoßen. Welche Einsichten und Visionen haben junge Menschen, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft aufgewachsen sind, zu entschiedenen Gegnern des größenwahnsinnigen und menschenverachtenden Regimes gemacht? Antworten darauf liefert ein jetzt erschienes Buch "Wider die Kriegsmaschinerie - Kriegserfahrungen und Motive des Widerstandes der Weissen Rose" (Klartext-Verlag, Essen, August 2005, 21 Seiten, 14,99 Euro).
Der Münchner Militärhistoriker und Friedensforscher Detlef Bald, engagierter evangelischer Christ, hat als Herausgeber und Mitautor des Bandes eine Reihe von bekannten Forschern und Personen der Zeitgeschichte gewonnen. Zu ihnen gehören der katholische Religionsphilosoph Eugen Biser, der KZ-Überlebende und zeitgeschichtliche jüdische Wissenschaftler Arno Lustiger, der Militärwissenschaftler Manfred Messerschmidt und Brigadegeneral a.D. Winfried Vogel, der als Stellvertretender Vorsitzender des Beirates der Weisse-Rose-Stiftung seit 1999 viel beachtete Ausstellung über den jungen deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Rußland organisiert.
Bei der Vorstellung des Buches am Mittwoch abend in München wies der Alt-Abt des Münchner Benediktiner-Klosters St. Bonifaz Odilo Lechner auf die reliöse und mystische Verwurzelung des Widerstandskreises der "Weissen Rose" hin. Widerstand gegen Diktaturen könne nur durchgehalten werden, wenn er "von einer tiefen inneren Gewissheit getragen ist", sagte Odilo. Die großen Mystiker der Christengeschichte hätten auch die Gabe gehabt, in das Politische hinein zu wirken. Auch der heute in der Demokratie notwendige "Widerstand gegenüber Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit" speise sich aus einer Gewissenstiefe.
Detlef Bald betonte, dass der Widerstandskreis der Weissen Rose seine wachsende Entschlossenheit aus den Kriegserfahrungen von Hans Scholl, Willi Graf und Alexander Schmorell 1942 als Sanitäter an der Ostfront geschöpft habe. Die Barbarei der deutschen Kriegsführung "stärkte ihre Kraft und Zuversicht, der Entwertung der Werte im Nationalsozialismus entgegen zu treten".


