Discounter will durch Hörsaal-Benennung sein Image aufpolieren
Discounter will durch Hörsaal-Benennung sein Image aufpolieren
Die Umbenennung des größten Hörsaals der Würzburger Fachhochschule in "Aldi Süd-Hörsaal" bedeutet eine Weiterentwicklung der bisherigen Kooperation der Hochschule mit dem Discounter. Dies erklärte FH-Präsident Heribert Weber vor Journalisten. Ohne den Sponsor könne der 414 Quadratmeter große, seit langem marode Haupthörsaal der Hochschule nicht erneuert werden. Der Staat gebe der FH nur knapp 220.000 Euro im Jahr für den Bauunterhalt, was aber nicht ausreiche. Durch den Sponsoringvertrag mit Aldi erhalte die FH in den kommenden fünf Jahren "eine fünfstellige Summe".
Seit langem kooperiere Aldi mit der FH, wenn es um die Gestaltung des Studienführers geht, wie Weber betonte. Aldi sei einer der größten Anzeigenkunden in dieser sich selbst finanzierenden Broschüre. Als Fortführung der bisherigen Werbezusammenarbeit werde Aldi in Kürze die Wandfläche zwischen den beiden Türen zum bisher "Z 09" genannten Hörsaal gestalten. Weber betonte, dass Aldi ein "sinnvoller" Sponsoringpartner für die FH sei. Politische Institutionen, Kirchen und Religionsgemeinschaften kämen als Sponsoren für die FH nicht in Frage, da "wir zur Neutralität verpflichtet sind".
Der Geschäftsführer der zuständigen Regionalgesellschaft von Aldi Süd in Helmstadt (Kreis Würzburg), Axel Polossek, betonte, dass das Unternehmen kein Interesse daran habe, die Studiengänge an der FH zu beeinflussen. Der Sponsoring-Vertrag habe für die Fachhochschule definitiv "keine inhaltliche Abhängigkeit" zur Folge. Hauptinteresse der Firma sei es, "bei den Studenten das Image von Aldi als Arbeitgeber aufzupolieren".
Keine Stellung wollte Polossek zu wiederholter Gewerkschaftskritik an den Arbeitsbedingungen in den rund 2.600 bundesdeutschen Aldi-Filialen nehmen. FH-Präsident Weber teilt diese Kritik nicht, wie er betonte. Er hält Aldi "für eine positiv besetzt Marke". Für Studenten sei es gut, dass es Aldi gebe, denn viele von ihnen müssten ihren Lebensunterhalt mit sehr wenig Geld bestreiten: "Ihnen bleibt nichts anderes übrig, "als bei Discountern einzukaufen."
Auch Professor Ulrich Müller-Steinfahrt, Initiator des Sponsorings zwischen Aldi und der FH, hält Kritik am Image des Discounters als Arbeitgeber für überzogen. Durch vierwöchige Praktika bei Aldi sollen Würzburger FH-Studenten in Kürze erstmals hinter die Kulissen des Unternehmens blicken dürfen. Dadurch will sich Aldi laut Polossek bei der Jagd auf potenzielle Führungskräfte unter den FH-Absolventen gegen die bislang für Studenten weit attraktiveren Arbeitgeber Industrie, Banken und Versicherungen durchsetzen.


