"Aufkreuzen für die Gemeinde"
Wie die Kirche ihre Wähler für die Kirchenvorstandswahl mobilisieren will
Von Bernd Mayer
Weit schwerer als die politischen Parteien tut sich seit jeher die Kirche, ihre Wähler an die Urnen zu bringen. Im kommenden Jahr ist es wieder soweit: Dann werden in Bayern rund 11.500 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher in über 1.500 evangelischen Gemeinden gewählt. Wahlberechtigt sind rund 2,3 Millionen Protestanten.
Im Dekanatsbezirk Bayreuth haben sich die Gemeinden schon einmal gerüstet für den 22. Oktober 2006: Bei einer Pfarrkonferenz dachten rund fünfzig Theologen darüber nach, wie sie ihren Schäfchen auf die Sprünge helfen könnten. Bei der letzten Wahl schwankte die Beteiligung in den elf Stadtgemeinden zwischen mageren 7,7 und 14,4 Prozent.
Pfarrerin Ruth Scheil berichtete über einen landeskirchlichen Dreistufenplan bis zur Wahl sowie über professionelle Werbestrategien. Schon das Logo der Kampagne mit einem Kreuz auf knallrotem Hintergrund - Motto: "Aufkreuzen für die Gemeinde" - rief allerdings kritische bis spöttische Kommentare hervor. Dass die Kirchenvorstandswahl bei den Gemeindemitgliedern kein Selbstläufer ist, offenbare Scheil zufolge eine kürzliche Befragung in Erlangen: Von den ersten neunzig Befragten hatte nur ein einziger eine konkrete Vorstellung vom Tun und Treiben der Kirchenvorsteher.
Nach Auffassung des Bayreuther Dekans Hans Peetz hat der Kirchenvorstand künftig noch mehr Gewicht: Das Budget der Gemeinden werde schmäler, der Verantwortungsspielraum größer. Doch die Erwartung, Kirchenferne für die Stimmabgabe zu gewinnen, ist nach Einschätzung von Pfarrerin Scheil wohl eine Illusion. Eines der Ziele ist es, junge Gemeindemitglieder - sie dürfen bereits mit 14 Jahren wählen - für den "Event Kirchenvorstandswahl" zu mobilisieren. Eine andere Zielgruppe sind die Aussiedler, für die sogar ein eigener Prospekt in russischer Sprache vorbereitet werden soll. Auch die Altenheimbewohner sollen besonders umworben werden. die evangelische Landeskirche lässt sich die Kirchenvorstandswahlen insgesamt 2,4 Millionen Euro kosten.
Die Vertrauensausschüsse der Gemeinden werden bis zur Sommerpause 2006 die Wahlvorschläge erstellen. Dabei sollten die Verantwortlichen nach Auffassung des Obernseeser Gemeindepfarrers Heinz Bogner nicht nur auf das Geburtsdatum schauen, sondern auch ältere Semester zulassen. Eine Parole wie "Keinen über 68" hält der Theologe sogar für einen Angriff auf die Menschenwürde.