Der "neue Mann" existiert vornehmlich in der Theorie
Der "neue Mann" existiert vornehmlich in der Theorie
Neue bayerische Familienstudie: Familienaufgaben weiterhin Domäne der Frauen
Bayerns Väter stimmen mit großer Mehrheit der Aussage zu, dass Väter und Mütter gemeinsam für die Versorgung der Kinder zuständig sein sollen. Im Familienalltag aber überwiegt der Einsatz der Mütter für die Kinder den der Väter bei weitem. Diesen Widerspruch hoben am Montag in München bei der Vorstellung des "Familienreports Bayern 2006" die bayerische Sozial- und Familienministerin Christa Stewens (CSU) und der Leiter des bayerischen Staatsinstituts für Familienforschung (Universität Bamberg), Professor Hans-Peter Blossfeld, hervor.
Selbst die erwerbstätige Mutter verbringe mit 130 Minuten am Tag doppelt so viel Zeit in der Kinderbetreuung wie der erwerbstätige Vater, führte Stewens aus. "Alles, was für Frauen selbstverständlich ist, von der Elternzeit bis zur Teilzeit, sollte es auch für Männer werden." Harsche Kritik übte die Ministerin auch an den Arbeitgebern. "Verständnis für die Belange der Familie auf Arbeitgeberseite sollte sich nicht darin erschöpfen, dass man den Papi zum Kindergeburtstag augenzwinkernd früher nach Hause lässt."
Professor Blossfeld, der "Vater" der Familienstudie, befand: "Wir müssen ganz dicke Bretter bohren, um einen Bewusstseinswandel bei den Männern, der sich auch in konkreten Handlungen niederschlägt, zu erreichen." Das Engagement der Väter in der Familie beschränke sich häufig auf Sport- und Freizeitaktivitäten mit den Kindern, Einkäufe und größere Reparaturen im Haushalt. Putzen, Essenkochen, Windeln wechseln und andere ständig anfallende Aufgaben werden weiterhin überwiegend von Frauen wahrgenommen.
Weitere wichtige Daten aus der Väterstudie: Der grundsätzliche Kinderwunsch ist bei Frauen mit 85.4 Prozent höher als bei Männern (73,7). Männer weisen in allen Altersschichten einen höheren Anteil an Kinderlosen auf. In 58 Prozent der Paarfamilien sind beide Partner erwerbstätig, 27,5 Prozent der bayerischen Väter ernähren ihre Familien alleine. Professor Blossfeld: "Das Engagement des Vaters bei der Betreuung wirkt sich positiv auf die emotionale und soziale Entwicklung aus und fördert das Selbstbewusstsein des Kindes."


