Abwärtstrend scheint gestoppt
Erste Zahlen der evangelischen Kirchenvorstandswahlen in Bayern
Bei den landesweiten evangelischen Kirchenvorstandswahlen am gestrigen Sonntag ist die Wahlbeteiligung offenbar leicht gestiegen. Nach der Auswertung von mehr als 90 Prozent der Wahlbezirke haben 18,4 Prozent der 2,13 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. "Der Abwärtstrend ist gestoppt", sagte der landeskirchliche Wahlbeauftragte Thomas Roßmerkel (München) am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bei den letzten Kirchenvorstandswahlen vor sechs Jahren war die Beteiligung erstmals unter 20 Prozent auf 17,8 Prozent gefallen.
Rund 45 Prozent der Gewählten sind Frauen. Unter den erstmals in das Gremium Gewählten haben sie sogar die Nase vorn. Besonders erfreut ist Roßmerkel über die leicht über dem Durchschnitt liegende Beteiligung der 14- bis 19-Jährigen. Roßmerkel: "Es ist geglückt, die letzten Konfirmandenjahrgänge zur Wahl zu bringen."
Die offiziellen landeskirchlichen Zahlen weichen allerdings teilweise von den von den Dekanaten selbst genannten Ergebnissen ab. Den Münchner Computerberechnungen liegt bei manchen Gemeinden offenbar eine höhere Zahl von Wahlberechtigten als vor Ort zu Grunde. So erreichte das Dekanat Nürnberg nach offiziellen Zahlen aus München 12,3 Prozent (2000: 11,97 Prozent) Beteiligung, nach eigenen Berechnungen sind es mehr als 14 Prozent. Zwei Drittel der Nürnberger Gemeinden hätten zugelegt, sagte Stadtdekan Michael Bammessel.
Dagegen verbucht das Dekanat Erlangen nach landeskirchlichen Zahlen ein Minus von 1,3 auf 17,9 Prozent. Wie überall in Bayern bestätigte sich auch in Erlangen die Faustregel: Je kleiner die Gemeinde, desto höher die Wahlbeteiligung. Am schlechtesten schnitt die Universitätsgemeinde der Neustädter Kirche mit 6,2 Prozent ab. Spitzenreiter ist die Landgemeinde Retzelsdorf. Ihre 137 Wahlberechtigten gingen zu 36,5 Prozent zur Wahl.
Im Dekanat Fürth wurden nach landeskirchlichen Angaben 13,9 Prozent erreicht, was wegen Unklarheiten bei der Berechnung vom Dekanat Fürth nicht bestätigt wurde. Für das ländlich geprägte Dekanat Ansbach werden 22 Prozent genannt. Unter den Kirchenvorstehern im Großraum Nürnberg sind bekannte Namen. In Fürth wurde der Komödiant Volker Heißmann gewählt, in Nürnberg-St.Sebald Alt-Oberbürgermeister Peter Schönlein und in Nürnberg-Langwasser Marga Beckstein, die Ehefrau des bayerischen Innenministers.
Bayernweit waren in den 1.537 bayerischen Kirchengemeinden 2,13 Millionen Mitglieder wahlberechtigt. Auf den Kandidatenlisten standen 9.600 Frauen und 8.300 Männer. Die Kirchenvorstände entscheiden über alle gemeindlichen Aufgaben, von Seelsorge und Gottesdienst bis zur Besetzung der Pfarrstellen und Finanzfragen. Je nach Gemeindegröße gehören dem Leitungsgremium außer dem Pfarrer vier bis 15 Mitglieder an.